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Anjes Tjarks über die Verkehrswende: Will er den Hamburgern das Auto verbieten?

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Von: Kevin Goonewardena

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Der Hamburger Verkehrssenator Anjes Tjarks sieht sich zunehmender Kritik ausgesetzt. Nun nahm er zu den Herausforderungen der Hamburger Verkehrspolitik Stellung.

Hamburg – Verkehrssenator Anjes Tjarks sieht sich in letzter Zeit vermehrt Kritik ausgesetzt. Vor allem die Wut der Autofahrer zieht der Grünen-Politiker dabei auf sich. Zum einen, weil er, so der Eindruck vieler Beobachter, um jeden Preis die Verkehrswende erzwingen möchte und dem Individual-Autofahrer immer wieder das Leben schwer macht. Sein Ziel: Möglichst viele Hamburger zum Aufgeben ihres eigenen PKWs zwingen.

Zum anderen, weil Tjarks den Bürgern in den kommenden Jahren viel Geduld abverlangen wird: Zahlreiche Verkehrsinfrastrukturprojekte werden gebaut oder müssen saniert werden, mit weiteren Behinderungen ist also zu rechnen. Zur jüngsten Kritik und seinen Plänen nahm Tjarks nun im Hamburger Abendblatt Stellung.

Name:Anjes Tjarks
Geburtsdatum und -ort:12. März 1981 in Hamburg
Parteimitglied bei GAL / Bündnis 90 Die Grünenseit 1998
Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaftseit 2011 (Mandat ruht seit Antreten des Senatorenpostens)
Hamburger Senatorseit 2020 (Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, Kabinett Tschentscher II)

Anjes Tjarks: So viele Baustellen gibt es in Hamburg – und das sind die Gründe

700 Baustellen gebe es zurzeit in Hamburg, so Tjarks gegenüber dem Hamburger Abendblatt, deren Anzahl jedoch täglich variiere. Die Gründe dafür seien vielfältig:  2020 seien rund „194 Kilometer Straße saniert und 62 Kilometer Radwege saniert oder neu gebaut“, worden. Doch rund ein Drittel und damit den größten Teil der Baumaßnahmen würden „Verlegung oder Erneuerungen von Wasser-, Gas-, Fernwärme-, Stromnetz oder Datenleitungen“ ausmachen. Die vielen Baustellen, so hatte Tjarks vor wenigen Wochen bereits gesagt, werden zu jahrzehntelanger erhöhter Staugefahr in Hamburg führen.

Anjes Tjarks: Das sind die größten Bauprojekte der kommenden Jahre

„Neben der Sanierung der A7 und A1 sind die Elbbrücken in der Mitte Hamburgs die mit Abstand größte Herausforderung in den kommenden 20 Jahren“, sagte der Senator angesprochen auf die wichtigsten Projekte der kommenden Jahre. „Daneben soll auch noch die U 4 die Elbe queren und die Freihafenelbbrücke saniert werden. Das ist sehr komplex, aber für Hamburgs Verkehr essenziell.“ 28 Bahnbrücken in Hamburg müssten zu dem ersetzt, 42 saniert werden. Den Bau der U-Bahn-Linie U5 nannte Tjarks nicht.

Anjes Tjarks über die Pläne des ÖPNV

Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist der wichtigste Baustein zum erfolgreichen Gelingen der Verkehrswende. Doch die Nutzung von Bus und Bahn ist in der Corona-Pandemie zurückgegangen. Tjarks befürchtet zwar, dass „es eine Weile dauert, bis sich der ÖPNV vollständig erholt“, zeigt sich aber langfristig optimistisch. Zu den Plänen gehört auch die Führung der U4 über die Elbe und die Erweiterung des Hamburger Hauptbahnhofs, die er als „im Grunde seit Jahrzehnten überfällig“, bezeichnet.  

Um den ÖPNV zu stärken, intensiviere der Senat die Bemühungen, so Tjarks. Dazu gehöre der Ausbau „mit neuen Bahn- und Busstrecken“ und das Erproben des „Shuttleservice IOKI, der Menschen von zu Hause zu HVV-Konditionen zu einer S-Bahn-Haltestelle fährt.“ 

Anjes Tjarks: Zu den hohen Preisen des HVV

Angesprochen auf die hohen Preise des Hamburger Verkehrsverbunds, die zu den höchsten in Deutschland gehören, führt Tjarks die Zufriedenheit der Kunden, die sich in Kundenbefragungen zeigen würde und das verbesserte Angebot an. Das Produkt sei deutlich besser geworden. „Mehr als 200 weitere Verbesserungen“ seien während der Pandemie „auf den Weg gebracht“, worden, so Tjarks.

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Anjes Tjarks: Über das Bedürfnis der Hamburger nach dem eigenen Auto

In der Kritik an den Plänen des Senators schwingt oft mit, dass dieser das Autofahren indirekt verbieten wolle. Tjarks stellt im Abendblatt klar: „Wir können und wollen niemandem verbieten, sich ein Auto zu kaufen. Wir leben in einem freien Land. Wir können aber die Angebote des ÖPNV ausweiten und sie so gut machen, dass die Menschen irgendwann merken, dass sie kein eigenes Auto mehr brauchen.“

Anjes Tjarks: Über die Wichtigkeit des Verzichts aufs Auto für den Verkehrsfluss

Die meiste Fläche verbrauche ein Auto, sagt der Senator, allerdings würden im Schnitt nur 1,3 Menschen in eben jenem sitzen. Das würde bedeuten „nur wenn weniger Auto gefahren wird, können wir den Verkehr gut organisieren. Das hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern mit Mathematik. Das zeigen übrigens auch die Staudaten: Städte wie Wien oder Barcelona, die die Mobilitätswende energisch vorantreiben, haben die wenigsten Verkehrsbehinderungen“, so Tjarks im Abendblatt. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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