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„An Dreistigkeit nicht zu überbieten“: Hamburgs Ärzte kritisieren Jens Spahn

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Von: Tomasz Gralla

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Die Booster-Impfungen sollten im Eiltempo angegangen werden. Doch Jens Spahns neuer Plan sorgt nun für unnötiges Chaos. Die Reaktion aus Hamburg ist deutlich.

Hamburg – Erst am Freitag stellte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard stolz einen Drei-Schritte-Plan vor, der die Booster-Impfungen in Hamburg vorantreiben und die vierte Welle des Coronavirus eindämmen soll. Doch der anfängliche Euphemismus ist schnell verflogen. Grund: Ein Brief des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn an die Bundesländer, dem zu entnehmen ist, dass Hausärzte nur eine stark begrenzte Menge an Biontech-Vakzinen erhalten.

Steht das Impfen in Hamburg nun auf der Kippe?

Gesundheitsminister:Jens Spahn
Geboren:16. Mai 1980, Ahaus
Ehepartner:Daniel Funke
Partei:CDU

Jens Spahn und sein neuer Plan für die Booster-Impfungen: So viel Biontech-Impfstoff sollen Ärzte in Hamburg erhalten

Aus dem Schreiben von Spahns Gesundheitsministerium geht hervor, dass Impf- und Hausärzte pro Woche fünf Fläschchen Biontech-Impfstoff erhalten. Diese reichen gerade einmal für 30 Spritzen. Zwar schreibt das Ministerium, dass „ausreichend Impfstoff für Auffrischungsimpfungen zur Verfügung steht“, doch die Begrenzung der Menge spricht eine andere Sprache. Jens Spahn wolle „vermehrt“ auf den Impfstoff von Moderna setzen. Denn eine nicht unerhebliche Menge dieses Vakzins droht Mitte des ersten Quartals des kommenden Jahres zu verfallen.

Das Problem ist, dass die Ärzte in Hamburg mit dem Impfstoff von Biontech gerechnet und das auch den Patienten kommuniziert haben. Zwar bestätigt das Gesundheitsministerium, dass 90 Prozent des bestellten Impfstoffes von Biontech sei, doch das mindert nicht die Verwirrung um Spahns „Chaos“-Plan, der auch der Impfkampagne einen Dämpfer verpassen könnte. Denn der unerwartete Wechsel von Biontech zu Moderna könnte Impfwillige im schlimmsten Fall abschrecken und zu einem Rückzieher bewegen – das genaue Gegenteil des eigentlichen Vorhabens.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat einen Plan für die Booster-Impfungen, den die Kassenärzte in Hamburg kritisch sehen.
Gesundheitsminister Jens Spahn verfolgt einen Plan für Booster-Impfungen, der nicht jedem gefällt. (24hamburg.de-Montage) © Kay Nietfeld/dpa/imago

Deutliche Reaktion aus Hamburg: Spahns Booster-Impfplan ist „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“

Der Drei-Schritte-Plan von Sozialsenatorin Melanie Leonhard, die gerade erst Kritik an der Hospitalisierungsrate geübt hat, sieht vor, dass die Hausärzte in Hamburg Anlaufstelle Nummer eins für Booster-Impfungen sein sollen. Doch die nun von höchster Stelle verkündeten knappen Portionierung des Impfstoffs könnte den Plan in sich zusammenfallen lassen.

„Wir brauchen dafür die zielstrebige Zusammenarbeit aller Beteiligten, von der Arztpraxis bis in die Hauptstadt“, betont Leonhard gegenüber dem Hamburger Abendblatt. „Was wir nicht brauchen können, sind nicht nachvollziehbare, kurzfristige politische Kurswechsel.“ Jana Husemann, Vorsitzende des Hamburger Hausärzteverbandes, zeigt sich empört über Spahns Verhalten, das „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“ sei. Sie fordert, dass das „unnötige Chaos“ aufhöre.

Die Impfstoffe von Moderna und Biontech seien „gleichwertig“, betont der Vizevorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, ausgehend von vorliegende Studien wie auch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). „Trotzdem wird es hohen Erklärungsbedarf geben, der wertvolle Zeit bindet, die für das Impfen dann fehlt. Das ist wenig hilfreich“, wird Hofmeister im Hamburger Abendblatt zitiert.

Corona in Hamburg: Viele neue Regeln, um die vierte Welle zu brechen

Dieses Chaos um die Menge des verteilten Vakzins kommt zu einem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn wie auch im Rest des Landes greift auch in Hamburg das Coronavirus um sich. Deswegen hat der Hamburger Senat neue Corona-Regeln verabschiedet, um die vierte Welle zu brechen. Allen voran wird die 2G-Regel ausgeweitet, die in Hamburg bisher optional war. Diese gilt nun auch für Weihnachtsmärkte in Hamburg, die nur geimpften und genesenen Personen Eintritt gewähren dürfen.

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Auch wenn eine neue Studie ergeben hat, dass Geimpfte ansteckender sind als angenommen, ist die Impfung dennoch der beste und sicherste Weg, um sich vor Covid-19 zu schätzen. Deswegen wird auch viel Hoffnung in die Booster-Impfungen in Hamburg gesetzt. In Impfzentren sollen sie aber nicht verabreicht werden, denn diese sollen vorerst geschlossen bleiben, fordert Hamburgs Ärzte-Chef. Bliebt zu hoffen, dass Spahns neuer Plan die Impfkampagne nicht wieder ausbremst. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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