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Amok-Alarm an Schulen: So ist Hamburg für den Ernstfall gerüstet

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Von: Kevin Goonewardena

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Nicht zuletzt nach dem Amoklauf von Texas fragen sich auch Hamburger Eltern, wie die Polizei auf mögliche Amokläufe an Schulen vorbereitet ist. Eine Übersicht.

Hamburg – Am 24. Mai 2022 tötete Salvador Ramos an der Robb Elementary School im texanischen Uvalde 21 Menschen, darunter 19 Kinder. Das Jahr 2022 ist gerade einmal zur Hälfte fortgeschritten, da verzeichnen die USA bereits mehr als 200 sogenannte „Mass Shootings.“ Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Gewalttaten an Schulen sind in den USA alltäglich, wie der Amoklauf in Texas einmal mehr in Erinnerung ruft. Im Schnitt 30 Menschen pro Jahr sterben an US-Schulen durch Waffengewalt, weiß das RND. Und in Deutschland? Der Amoklauf von Winnenden (2009) und die Bluttat von Erfurt (2002), die sich dieses Jahr zum 20. Mal jährt, dürften den meisten Deutschen ein Begriff sein. Wie wären eigentlich Hamburger Schulen und Behörden auf den Ernstfall vorbereitet? Eine Bestandsaufnahme.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:rund 1,8 Millionen
Regierungsoberhaupt:Peter Tschentscher (SPD)

Basketball-Star Dennis Schröder: Will Kinder nicht mehr in den USA zur Schule schicken – „zu gefährlich“

Der Amoklauf von Texas ist der nach Todeszahlen schwerste Amoklauf an einer Schule in den USA seit 2012 und damit seit zehn Jahren. Der deutsche Basketball-Star Dennis Schröder, der zuletzt bei der texanischen Franchise Houston Rockets spielte, reagierte bestürzt. „Meine Kinder zur Schule zu schicken oder in den Kindergarten – das will ich schon in Amerika nicht mehr. Das ist einfach zu gefährlich“, sagt der zweifache Vater Schröder gegenüber Medien.

Amokalarm in Hamburg: Auch in Hamburg immer wieder Ernstfälle

Doch wären Schröders Kinder hier sicherer? Immer wieder kommt es auch in Deutschland zum Amok-Alarm, auch in Hamburg. Wie etwa im November 2021 an einer Berufsschule. Nur wenige Tage später tauchte ein Messer-Mann an einer Grundschule in Jenfeld auf. Zuletzt fielen im Mai 2022 mehrere Schüsse in Neugraben im Bezirk Harburg. Was würde in Hamburg passieren, wenn die Situation eine ähnlich ernsthafte wie beim Amoklauf von Texas, Amoklauf von Winnenden oder dem Amoklauf von Erfurt wäre? Gibt es in Hamburg einen Notfallplan, der bei Amokläufen greift? Und welche Mechanismen würden sonst noch in Gang gesetzt werden?

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Amokkonzept in Hamburg: Polizei Hamburg geht nach Plan vor

Erst nach 90 Minuten hatten die US-Einsatzkräfte die Schule in Uvalde gestürmt und den Amoklauf von Texas damit beendet. Nicht zögerlich, sondern nach einem festen Plan würde im Ernstfall das Hamburger SEK handeln. Dieser trägt den Namen Amokkonzept und regelt das Vorgehen der Hamburger Polizei, sobald ein Amokalarm an einer Hamburger Schule ausgelöst wird. Die Einsatzlage „Amoklauf“ ist laut Berichten des Hamburger Abendblattes dabei die zweithöchste Einsatzlage für die Hamburger Polizei, „lebensbedrohliche Einsatzlage“ ist darunter angesiedelt, als höchste Einsatzlage wird der „Terroranschlag“ eingestuft

Mehrere SEK und Polizei Beamte stehen vor eine Schule in der Nähe von Stuttgart nach einem Amokalarm
Schwerbewaffnete Polizisten bei einem Amok-Alarm in einer Schule in Baden-Württemberg (Symbolbild). Auch in Hamburg werden immer wieder Schüler oder schulfremde Personen in Schulen oder im Umfeld von Schulen mit Waffen angetroffen. Die Polizei agiert dann nach einem festen Plan. © 7aktuell.de/Jueptner/Imago

Polizei Hamburg: Das sind die Einsatzlagen der Polizei

Der schon angesprochene Amokalarm in Neugraben wurde zunächst übrigens als „lebensbedrohliche Lage“ eingestuft, berichtet die Zeitung. Denn der Täter sei zwar bewaffnet gewesen, habe allerdings noch nicht geschossen. Die sogenannte „BAO“ - „Besondere Aufbauorganisation“ – wird zum Zweck der Steuerung der verschiedenen Kräfte in einer solchen komplexen Lage eingerichtet und regelt nachfolgend die Abläufe. Einsatzabschnitte sind etwa der eigentliche Tatort, der als „Gefahrenbereich“ bezeichnet wird, „Verkehr“ (Abriegelung des Einsatzbereichs, Bau von Straßensperren etc.), „Betreuung“ der Opfer und Angehörigen oder „Öffentlichkeitsarbeit“; die Kräfte in dem Abschnitt kümmern sich um die Betreuung der Medien vor Ort, eintreffende Presseanfragen und die Information der Bevölkerung, die auch über Social Media-Kanäle stattfindet.

Bei Hinweisen auf Schüsse, schreibt die Tageszeitung weiter, würden sofort Sicherheitskräfte in das Gebäude, beispielsweise eine Schule oder Kita eindringen, mit dem Ziel, den Amoklauf mit allen notwendigen Mitteln zu beenden. Intern würde dieses Vorgehen „Search & Destroy“, also „Suchen & finden“ genannt, schreibt das Abendblatt.

Polizei Hamburg: Dann kommt das SEK zum Einsatz

Diesen Job übernehmen speziell ausgebildete und geschulte Polizisten des Hamburger SEK (Sondereinsatzkommando), die auch bei Geiselnahmen, Festnahmen von gefährlichen Verbrechern oder Anti-Drogeneinsätzen zum Einsatz kommen. Zuletzt hatten SEK-Beamte etwa einen mit einem Messer bewaffneten Mann in Bramfeld überwältigt und eine Wohnung im Stadtteil Osdorf gestürmt, in der ein Mann seine Frau bedroht hatte – bei dem Einsatz wurden nachfolgend mehrere Waffen in der Wohnung des Mannes gefunden. Auch bei den Fehlalarmen in den Hamburger Schulen der vergangenen Monate kamen SEK-Beamte zum Einsatz. Alle diese Einsätze liefen nach Abendblatt-Informationen unter der Bezeichnung „Lebensbedrohliche Lage“, eine Amoklage oder eine terroristische Lage hat es nach Angaben der Zeitung an den Schulen der Hansestadt bisher noch nicht gegeben.

Amoklauf in Hamburg: So sind Hamburger Schulen vorbereitet

Auch an den Schulen selbst existieren Amokkonzepte für den Ernstfall. Diese sehen unter anderem vor, dass sich Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte in Räumen verbarrikadieren, nachdem Letztere die Räumlichkeiten von innen verschlossen haben.

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