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Altona 93-Pläne: Fußballboss fordert Gipfel – Öl-Konzern-Ableger sponsort Teutonia

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Von: Kevin Goonewardena

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Kultclub Altona93 bezieht in wenigen Jahren ein neues Stadion am Diebsteich. Das soll nun größer werden und Erzrivale Teutonia Ottensen soll gleich mit rein. Das gibt Zoff.

Hamburg – Seit weit über 100 Jahren kickt der derzeitige Regionalligaklub Altona 93 auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Ottensen. Jonathan Tah, Eric Maxim Choupo-Moting oder Ex-Spieler des Hamburger Sportverein Christian Rahn starteten hier ihre Karrieren. Auch der ältere Bruder des Hamburger Fußballidols „Uns Uwe“ Uwe Seeler, Dieter Seeler, schnürte für den Club aus Ottensen die Fußballschuhe, bevor er später zusammen mit Bruder Uwe beim HSV Deutscher Meister wurde. Viele werden nicht mehr hinzukommen, denn längst ist der Umzug des Kult-Clubs Altona 93 beschlossene Sache: Am neuen Fernbahnhof Diebsteich – der den derzeitigen Bahnhof Altona ersetzen soll – soll der Klub ab 2026 seine neue sportliche Heimat finden.

Aktuelles Stadion:Adolf-Jäger-Kampfbahn
Adresse:Griegstraße 62, 22763 Hamburg
Eröffnet:1908
Fassungsvermögen8000 (Sitzplätze 1400)
Spielstätte von:Altona 93 (1908-2008, seit 2010), Hamburg Blue Devils (2011–2013)

Altona93: Verbandschef fordert Verdoppelung der Zuschauerkapazität

Doch um das hochmoderne Stadion gibt es nun Streit. Genauer gesagt um dessen Nutzung. Die Stadt Hamburg hat die neue Arena Altona 93 versprochen. Im Gegenzug gibt der Klub seine Adolf-Jäger-Kampfbahn auf, auf dessen Gelände dringend benötigte Wohnungen entstehen sollen. 2026 soll die neue Heimstätte von Altona 93 auf dem ehemaligen Thyssen-Krupp-Gelände am Diebsteich stehen, 5000 Zuschauer und Zuschauerinnen dort Platz finden, Altona93 möchte 10 Millionen aus dem Kauf der Adolf-Jäger-Kampfbahn investieren.

Eingang zum Stadion Altona 93 Hamburg Adolf Jäger Kampfbahn Hamburg Deutschland
Die Adolf-Jäger-Kampfbahn von Altona 93 ist schon etwas in die Jahre gekommen. Eröffnet wurde das Stadion 1908. Es liegt Mitten in einem Wohngebiet. 2026 soll Altona 93 ein neues Stadion am Diebsteich beziehen. © Ralf Homburg/imago

Nun fordert der Präsident des Hamburger Fußballverbands, Christian Okun, ein größeres Stadion: Mit einer Kapazität bis zu 10.000 Zuschauern. Unter anderem für Fans des Erzrivalen Teutonia Ottensen, mit denen sich Altona93-Anhänger im Rahmen des letzten Derbys im November 2021 noch eine Massenschlägerei lieferten. Altona93 um Ex-FC St. Pauli Trainer Andreas Bergmann passt der Vorstoß Okuns gar nicht.

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Altona 93 will Erzrivale nicht in neuem Stadion haben – Russischer Konzern sponsort Ottensen

Im Hamburger Abendblatt sagte Altona93-Vize-Vorsitzender Ragnar Törber: „Unser Verein steht für gewisse Werte. Durch millionenschwere Investoren finanzierter Fußball gehört definitiv nicht dazu.“ Die kommen unter anderem von Teutonias Sponsor Lukoil und der ist in der aktuellen Lage besonders brisant: Lukoil ist nicht nur russischer Mineralölkonzern, sondern gleich einer der größten der Welt. Der Konzern erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 100 Milliarden USD. Teutonia habe außerdem auch nie Interesse gezeigt, Untermieter im neuen Stadion werden zu wollen.

Teutonia stellte nach dem Einmarsch der russischen Truppen auf der Vereinswebsite klar, dass es sich bei dem Sponsor um ein deutsches Tochterunternehmen handelt, dass alleine im maritimen Sektor tätig sei und unabhängig vom Mutterkonzern operiere. Auf dem Trikot läuft der Verein mittlerweile mit dem Schriftzug der Diakonie auf. Zudem sei eben diese Tochtergesellschaft, Lukoil Deutschland, in keinster Weise in die Stadionpläne involviert, die Teutonia unabhängig von einer Nutzung des Altona93-Neubaus entwickelt.

Das Problem: Der Verein aus Ottensen klopft an die Tür der Dritten Liga, hat aber kein Drittliga-taugliches Stadion. Zu den Plänen, selber zu bauen, fehle das Bekenntnis der Stadt. Teutonia hatte schon angekündigt, für den Fall des Aufstiegs nach Lübeck ausweichen zu wollen, sollte ein Drittliga-Betrieb in Hamburg nicht möglich sein. Seit dem Regionalligaaufstieg 2020 trägt Teutonia seine Heimspiele im Stadion Hoheluft des SC Viktoria Hamburg aus.

Wir als Altona 93 haben mit der Adolf-Jäger-Kampfbahn unser Tafelsilber hergegeben, um Platz zu machen für dringend benötigten Wohnungsbau. Deshalb ist die erste Priorität dieses Stadions auch für die Stadt eine neue Heimat für Altona 93, die unseren Bedarfen entspricht“,

Ragnar Törber, stellvertretender Vorsitzender Altona93 im Hamburger Abendblatt

Verbandsboss fordert Gipfel „Wir brauchen einen Sportgipfel, der den Sportstätten-Bedarf übergreifend klärt.“

Verbandsboss Okun fordert in der MOPO einen Sport-Gipfel, der den Bedarf an einem mittelgroßen Stadion in Hamburg klärt. Er denkt dabei auch an eine Nutzung durch Junioren- und Frauennationalmannschaften oder die American Footballer der Hamburg Sea Devils, die selbst einige Jahre auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn spielten. Teile der Politik sehen ein größeres Stadion als nicht machbar an, darunter der für Sport zuständige Senator Andy Grote.

Bezirkspolitik zeigt sich offen für größeres Stadion mit Dittlaliga-Tauglichkeit

Offener zeigt sich die Bezirkspolitik – nicht nur Ottensen gegenüber. Altonas CDU-Fraktionschef Sven Hielscher wird in der Bild mit den Worten „Nicht nur der Fußball, auch Footballer und Turner könnten profitieren“ zitiert. Auch die Grüne-Sportexpertin in der Hamburger Bürgerschaft, Maryam Blumenthal, zeigte sich offen für Gespräche. Ihre Partei, sowie die CDU und FDP wollen einen dementsprechenden Antrag in die Bürgschaft einbringen. Die Sportbehörde kritisierte zwar die Pläne Okuns und teilte mit, dass eine Vergrößerung des geplanten Stadions von Altona93 nicht möglich sei. Gleichzeitig wolle man aber eine Drittligatauglichkeit prüfen.

Übersicht des Areals Diebsteich inklusive Fernbahnhof, Stadion von Altona 93 und weiteren Sportstätten
So soll das neue Stadion von Altona93 am Diebsteich aussehen. Der ebenfalls neue Fernbahnhof Diebsteich, umrahmt von zwei Hochhäusern, ist im Hintergrund zu sehen. © Stadtentwicklungsbehörde

Diese käme eher Teutonia Ottensen, als dem Altonaer Club, bei dem mit St. Pauli-Legende André Trulsen (Co-Trainer) und E-Hamburg Keeper Richard Golz (Sportchef) noch weitere Hamburger Fußballidole involviert sind, zu Gute. Altona 93 kämpft in der Viertklassigen Regionalliga Nord aktuell um den Abstieg in die Oberliga, während es bei Teutonia um den Aufstieg in den Profibereich geht. (TRANSPARENZHINWEIS: Der Ursprungsartikel ist am 28. Februar 2022 zweimal um einige neue Informationen ergänzt worden.) *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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