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Paddler ärgern Küken auf der Alster – „Es gab schlimme Szenen“

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Von: Jakob Koch

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Wie üblich um diese Jahreszeit schwimmen auf der Außenalster nun auch kleine graue Schwanen-Küken. Aber: Die Lage ist angespannt wie lange nicht mehr.

Hamburg – Die ersten Schwanenküken schwimmen bereits gesund und munter auf der Alster, doch Hamburgs Schwanen-Experte macht sich dennoch Sorgen. Und das hat vor allem mit den Menschen zu tun. „Aktuell geht es den Tieren sehr gut. Problematisch ist nach wie vor das Thema Störung. Es ist immer noch so, dass das eine oder andere Brutpaar die Außenalster verlassen hat und in die abgelegenen Gebiete gezogen ist“, sagte Schwanenvater Olaf Nieß der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

Grund für die Flucht ist das intensive Freizeitverhalten der Hamburger und ihrer Gäste auf den Gewässern der Hansestadt. „Das ist im Prinzip seit dem ersten Corona-Jahr so, wo wir absolut massivste Störungen hatten und die Boote mit einem Abstand von 50 Zentimetern zueinander auf dem Wasser fuhren. Da gab es schlimme Szenen.“

Name:Olaf Nieß
Funktion:Schwanenvater
Im Amt seit:1996
Zahl der Schwäne auf der Alster:120

Alster Hamburg: Schwäne gestört – schwimmende Barrieren gegen Paddler

Derzeit würden vor allem luftbefüllte Wasserfahrzeuge – beispielsweise Stand-Up-Paddle-Boards und auch große Badeinseln – nach wie vor Probleme machen. „Aber es ist nicht ganz so intensiv wie im ersten Corona-Jahr.“ Die Freizeitsportler sollen nun vor allem mit Flyern, freundlicher Ansprache durch die Polizei und mithilfe schwimmender Barrieren dazu gebracht werden, die Tier- und Pflanzenwelt weniger zu stören. Die Polizei Hamburg greift auf der Alster jetzt durch: „Werden Spielverderber sein“.

Alster in Hamburg: Schwäne sind hier zu Hause – Paddler, Stand-Up-Paddler und andere Menschen
Die Alster in Hamburg: Schwäne sind hier zu Hause – Paddler, Stand-Up-Paddler und andere Menschen werden immer mehr zum Problem für sie. © Angerer und imagebroker/Imago

So gebe es schwimmende Schilf-Inseln, die sich harmonisch in die Natur integrieren und gleichzeitig den „Verkehrsstrom“ sinnvoll steuern sollen, ohne wie eine Absperrung auszusehen. „Es ist nach wie vor das Ziel, dass jeder die Gewässer nutzen und sich da erholen kann“, sagte Nieß weiter. „Wir wollten keine Bojenketten haben. Wir gehen da sehr dezent ran und wollen es als lebendigen Prozess aufbauen und Bereiche nicht einfach absperren.“ Die Alster ist auch immer wieder Ort schrecklicher Funde: Immer wieder werden Tote in der Alster gefunden.

Ohne diese Barrieren würden sehr viele Freizeitsportler mit ihren Booten oder Boards zu nah an die Nester der Wasservögel und damit auch über die Wasserpflanzen wie das Schilf fahren. „Wenn das mal einer macht, dann ist das ja alles cool. Wenn das an einem Tag aber 200 bis 250 machen, dann ist das nicht mehr okay“, so der Schwanenvater. Viele Menschen seien sich der Folgen ihrer Handlungen dabei gar nicht bewusst. Strafen sollen dennoch nur das letzte Mittel sein. „Wir wollen die Leute mit unserem Ansinnen ja mitnehmen und suchen deshalb eher nach Verständnis.“

Alster Hamburg: „Tiere sind empfindlicher geworden und ziehen sich derzeit deutlicher zurück“

Etliche Wasservögel hätten in Folge der vergangenen zwei Jahre entweder ihre Brutplätze verlagert oder ihr Verhalten geändert. „Die Tiere sind empfindlicher geworden und ziehen sich derzeit deutlicher zurück. Das freie Herumschwimmen verlagern sie teilweise in die Nacht, wenn es ruhiger ist.“ Denn: Tagsüber ist viel los auf dem Fluss: Chaos auf der Alster: „Wenn es so weitergeht, gibt es bald Tote“.

Dennoch können einige Schwanenküken beobachtet werden. „Wir gehen im Bereich der gesamten Alster und den Nebenflüssen von etwa zehn Brutpaaren aus. Wie viel Nachwuchs die Schwäne haben, können wir nicht sagen. Aber bislang sieht es gut aus und es entwickelt sich täglich weiter.“ Die Tiere seien zudem ein bisschen später dran, weil sie zum Schutz vor der Vogelgrippe ein paar Tage später als üblich aus dem Winterquartier entlassen wurden.

Alsterschwäne beleidigen – Strafe geht auf Beschluss von 1664 zurück

Das Hamburger Schwanenwesen hat eine jahrhundertelange Tradition. Das Amt des Schwanenvaters gibt es seit 1674. Die Schwäne gelten als eines der Wahrzeichen der Hansestadt. Im Jahr 1664 stellte der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg die Tiere unter einen besonderen Schutz: So gibt es seitdem eine Strafe, wer die Tiere verletzt oder tötet. Oder sie beleidigt – im Originaltext heißt es, dass das „Mandat, dass niemand die Schwäne auf der Alster beleidigen soll“ eine Strafe möglich macht. „Bis ins 16. Jahrhundert reichten die Strafen bei Verstößen gegen die Schwanenordnung von drei Talern Strafe bis zu drei Tagen Gefängnis. Heute ist das Gesetz ist zwar offiziell nicht außer Kraft gesetzt, aber es gibt da keine Verfolgung“, sagte Schwanenvater Olaf Nieß einmal in einem Interview mit der Zeit.

Die Vogelgrippe ist auch jetzt schon wieder ein Thema, das Nieß und sein Team genau im Blick haben. Er sei durchaus angespannt, weil unweit der Hansestadt bereits die ersten Fälle von Vogelgrippe aufgetaucht seien. „Schön ist die Situation gerade nicht, was die vor der Tür stehenden Seuchen wie Afrikanische Schweinepest und Vogelgrippe angeht. Da sind wir sehr intensiv dran, das zu überwachen. Da wollen wir vor der Lage sein.“ (DPA)

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