Leere und falsche Versprechen

Alarmstufe Rot: Bund vernachlässigt Hamburg bei Impfstoff – Frust im Senat!

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Eine Corona-Impfung für alle – verspricht der Bund zu viel? Impfstoff schlichtweg zu knapp. Hamburg eiskalt übergangen worden. Der Senat reagiert empört.

Hamburg – Die schlechte Versorgung mit Corona-Impfstoff sorgt weiterhin für heftigen Streit zwischen Bund und Ländern. Trotz einer vorläufigen Einigung beim Impfgipfel kritisierte die Gesundheitssenatorin der Hansestadt Hamburg, Melanie Leonhard (SPD), die Impfstrategie der Bundesregierung. „Der Impfstoff ist weiterhin viel zu knapp“, warnte die SPD-Politikerin am Freitag in einem NDR-Interview. Trotzdem würden immer mehr Gruppen vollmundig zu Impfungen aufgerufen, die sich am Ende aber um die gleiche Menge an Impfstoff bemühen müssten. „Das wird immer mehr Menschen unzufrieden machen.“

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Am Donnerstagnachmittag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen mit den Länderchefs über das weitere Vorgehen in der Coronavirus-Krise beraten. Bereits im Vorfeld hatte sich Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) lautstark über eine Benachteiligung Hamburgs bei der Impfstoff-Belieferung beschwert. So lässt die Hansestadt Hamburg im Ländervergleich kaum ein Vakzin ungenutzt und weist eigenen Angaben zufolge die höchste Verimpfungsquote auf. Doch bei der Belieferung liegt die Stadt an der Elbe zusammen mit Bremen auf dem hintersten Platz.

Corona-Impfstoff ist knapp: Hamburg kann kaum neue Impf-Termine vergeben – Kritik am Bund

Im Hamburger Senat löst das immer mehr Unmut aus. Während erst im April die Lieferung von Impfstoffen in stark vom Coronavirus betroffene Grenzregionen umgeleitet worden waren, konnten zuletzt im Norden bis zu 50.000 Dosen nicht ausgeliefert werden. Diese fehlen nun in Hamburg an allen Ecken und Enden, denn es stehen viele Zweitimpfungen an. Neue Termine für Erstimpfungen können aber aktuell nicht vergeben werden. Vor diesem Hintergrund warnte auch Tschentscher vor einer Frustration der Bevölkerung. Der Bund verspreche immer mehr Menschen eine Impfung, ohne aber über ausreichend Impfstoff zu sorgen, kritisierte er im Anschluss an den Impf-Gipfel.

Knappes Gut: Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) bemängelt die Impfstoff-Knappheit. (24hamburg.de-Montage)

Nach einem Beschluss der Bundesregierung soll am 7. Juni 2021 die Impf-Priorisierung fallen. Dann können sich alle Impfwilligen um einen Termin bewerben. Zugleich wird derzeit auch geprüft, Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren nach dem Ende der Sommerferien ein Impfangebot zu machen. Allerdings wird es dafür keine zusätzlichen Impfstoffmengen geben. Das stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in den Beratungen klar – und verärgerte damit alle Ministerpräsidenten*, wie merkur.de berichtet.

Immerhin: Hamburg sollen die fehlenden 50.000 Impfdosen nachgeliefert werden. Diese Zusage wurde Tschentscher von den anderen Länderchefs gemacht. Sie sollen „zeitnah“ in Hamburg ankommen. Laut Leonhard könnte das heißen: im Juli. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa/picture alliance & Georg Wendt/dpa/picture alliance

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