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Affäre um FC St. Pauli-Freikarten: Schützte Justiz Senator Andy Grote vor Razzia?

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Von: Jan Knötzsch

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Andy Grote vor dem Millerntorstadion und Fans des FC St. Pauli
Der Generalstaatsanwalt Jörg Fröhlich soll im Jahr 2019 eine vorbereitete Durchsuchung bei Andy Grote verhindert haben. © Christian Charisius/Markus Scholz/dpa/Montage

Innensenator Andy Grote, einst Opfer von Hohn und Spott beim sogenannten „Pimmelgate“, steht mal wieder im Mittelpunkt. Hat die Justiz ihm geholfen?

Hamburg - Steuert die Hansestadt Hamburg auf einen Justiz-Skandal zu, in den Hamburgs Innensenator Andy Grote involviert ist? Der SPD-Politiker, der einst verkünden durfte, dass die Behörden einen geplanten Terroranschlag in Hamburg verhindert haben, aber selbst im Zuge der sogenannten „Pimmelgate“-Affäre nicht unbedingt im besten medialen Licht auftauchte, ist Bestandteil einer Untersuchung zur Annahme von VIP-Freikarten beim Zweitligisten FC St. Pauli, dessen Fan der Innensenator bekanntlich ist. Im Zuge dieser Ermittlungen gibt es nun einen Verdacht: Hat die Hamburger Justiz Andy Gote geschützt und davor bewahrt, dass beim Innensenator eine Razzia stattfindet?

Politiker:Andy Grote
Geboren:14. Juni 1968 (Alter 54 Jahre) in Dissen am Teutoburger Wald
Amt:Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg
Partei:SPD

Andy Grote von der Justiz vor Durchsung bewahrt? Generalstaatsanwalt soll ihn geschützt haben

Das legen zumindest Beweise nahe, die dem Portal t-online vorliegen, das im Zuge der Affäre über einen mutmaßlichen Justiz-Skandal berichtet. Laut des Portals soll Generalstaatsanwalt Jörg Fröhlich 2019 eine vorbereitete Durchsuchung bei Grote verhindert haben. Das geht wohl aus einem Entwurf zu einem entsprechenden Beschluss zur Durchsuchung bei Hamburgs Innensenator sowie zudem aus internen Vermerken zu einem Treffen von Fröhlich mit vier Strafverfolgern hervor. Im Zuge der Ermittlungen, so t-online, habe es offenbar Diskussionen gegeben, ob man sich dem Vorwurf eines „Prominenten-Bonus“ aussetze, sollte eine Razzia unter anderem gegen Grote ausbleiben. Letztlich soll Generalstaatsanwalt Fröhlich die Durchsuchung jedoch abgelehnt haben.

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Neben Innensenator Andy Grote waren auch der ehemalige Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) sowie Polizeipräsident Ralf Martin Meyer ins Visier der Ermittler geraten. Das Trio soll vom FC St. Pauli teure Freikarten „für lau“ erhalten haben. Die Vorwürfe erstrecken sich auf den Zeitraum zwischen den Jahren 2013 und 2016. Der heutige Senator Andy Grote war damals noch Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte. Nachdem die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen Grote zunächst wegen des Vorwurfs auf illegale Vorteilsnahme als Amtsträger ermittelt hatte, wurden diese Ermittlungen jedoch im Mai 2020 jedoch eingestellt.

Hamburgs Linke reagiert auf neue Grote-Affäre: „Wieder geht es um die Frage, ob der Innensenator über dem Gesetz steht“

Die Begründung der Ermittler seinerzeit: Grote habe zwar ein Fehlverhalten nachgewiesen werden können, aber keine strafbare Handlung. Aber, und da wird es pikant: Die angeblich verhinderte Razzia bei Grote sei im Juli 2019 gestoppt worden. Somit geschah dies kurz bevor die Sache verjährt gewesen wäre – und vor der Wahl der Hamburgischen Bürgerschaft im Februar 2020. Man habe ein „Hochkochen“ sowie einen „politischen Tsunami“ verhindern wollen, zitiert das Portal t-online aus den vorliegenden Papieren.

Dass die Justiz den Innensenator offenbar vor einer Razzia geschützt hat, könnte in Hamburg Diskussionen und Fragen nach der Verhältnismäßigkeit bei Ermittlungen nach sich ziehen. Denn: Jüngst wurden in Hamburg zwei Mitarbeiter der Finanzbehörde vom Amtsgericht für die Annahme von kostenlosen FC St. Pauli-Tickets zu Geldstrafen verurteilt. Im Fall von Andy Grote gehen die Hamburger Linken ebreits auf die Barrikaden. „Wieder Andy Grote. Und wieder geht es um die Frage, ob der Innensenator möglicherweise über dem Gesetz steht“, so Deniz Celik, der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion.

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