Abzocke oder mehr Sicherheit?

Achtung, Autofahrer! Hamburg hat neue Blitzer – große Abzocke?

  • Joanna Abou Boutros
    vonJoanna Abou Boutros
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Die Hamburger Polizei nimmt vier neue Blitzeranhänger in Betrieb. Die Ausgaben für die Geräte sind hoch, doch die Bußgeldeinnahmen sind höher. Ist das okay?

Hamburg – Achtung, in Hamburg kann es für Autofahrer jetzt immer häufiger teuer werden. Die Polizei hat in der Hansestadt am Donnerstag, 29. April 2021, gleich vier neue Blitzeranhänger in Betrieb genommen. Das meldet der NDR. Das Ziel: Temposünder ablichten! Langfristig soll die Überwachung die Geschwindigkeit der Autofahrer drosseln – für mehr Sicherheit im Verkehr.

Hamburg nimmt vier neue mobile Blitzer auf einmal in Betrieb

Mit den neuen mobilen Blitzanlagen wurden die Kapazitäten ordentlich hochgeschraubt. Statt acht kommen nun gleich zwölf „Enforcement-Trailer“ auf den Straßen der schönsten Stadt der Welt zum Einsatz. Nicht zu vergessen sind die 42 fest installierten Blitzer - die „Starenkästen“ - acht Blitzautos und neun Videofahrzeuge, die Geschwindigkeitsverstöße in der ganzen City dokumentieren.

Neue Biltzeranhänger in Hamburg kosten insgesamt 640.000 Euro

Die Anschaffung der neuen Geräte war nicht gerade günstig. Insgesamt wurden 640.000 Euro investiert. Jede mobile Anlange hat laut NDR-Information 160.000 Euro gekostet.

Doch das Geld sollte schnell wieder in den Kassen sein – zumindest deuten die Einnahmen des vergangenen Jahres darauf hin. Die acht „alten“ Enforcement-Trailer brachten 2020 rund sieben Millionen Euro ein. Obendrauf kommen noch Einnahmen von etwa 17 Millionen Euro aus den fest installierten Blitzern. Für 2021 gibt es im ersten Quartal coronabedingt einen Rückgang bei den Bußgeld-Einnahmen der festen Blitzer – von 6,5 Millionen auf 4,5 Millionen Euro. Doch schafften die mobilen Anhänger bereits eine Steigerung auf zwei Millionen Euro, berichtet der NDR.

Kein Grund zum Lächeln: Mit vier neuen Blitzeranhängern können in Hamburg noch mehr teure Fotos gemacht werden. (24hamburg.de-Montage)

Hamburgs Innensenator sagt: Blitzer sind keine Abzocke

Nun kommt bei vielen Hamburgerinnen und Hamburgern die Frage auf: Sind die neu angeschafften Kontrollanlagen reine Geldmacherei? Den Vorwurf der Abzocke hat Hamburgs Innensenator Andy Grote zurückgewiesen. Dem Norddeutschen Rundfunk sagte er:  „Der überwiegende Teil steht immer vor schützenswerten Einrichtungen wie Kitas und Schulen, wo uns wichtig ist, dass sich an die Geschwindigkeit gehalten wird.“

Geblitzt wird jedoch auch an anderen Stellen in der Stadt an der Elbe: „Die andere Hälfte steht da, wo wir besonders hohe Geschwindigkeiten und viele Geschwindigkeitsverstöße haben“, sagte Grote. „Das kann an Autobahnbaustellen sein, wo viele Unfälle passieren.“
Auch im Nachbarland Bremen sollten sich die Autofahrer besser an die Regeln halten: Dort wird das Falschparken dank der neuen Knallhart-Regeln* von Innensenator Ilrich Mäurer nämlich richtig teuer.

Hamburger Blitzer werden an Gefahrenstellen aufgestellt – nicht immer besteht Gefahr

Zu diesen „Unfallschwerpunkten“ soll auch die Autobahn 7 bei Stellingen gehören. Im Baustellenbereich gilt Tempo 60. Weil die Bauarbeiter eine Gefahr für sich sahen, kamen dort am gesamten Osterwochenende beidseitig Blitzeranhänger zum Einsatz. Komisch: An dem Wochenende, so berichtet Bild.de, war allerdings kein einziger Bauarbeiter auf der Baustelle am Arbeiten.

Dass die Blitzer Tag und Nacht in der Hansestadt im Einsatz sind, ist dank der Enforcement-Trailer kein Einzelfall. Laut Bild.de waren die Blitzeranhänger im Jahr 2020 rund 58.000 Stunden auf den Straßen in Betrieb. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von mehr als 61 Prozent.

20 statt zwölf – weitere acht Blitzeranhänger für Hamburg sollen angeschafft werden

Schon jetzt sind die Blitzer im gesamten Stadtgebiet verteilt – doch es sollen noch mehr werden! Im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung ist der Ausbau der Verkehrsüberwachung laut Bild-Informationen festgehalten. Die mobilen Anlagen sollen von zwölf auf insgesamt 20 aufgestockt werden.

Wegen der vielen neuen Geräte kommt die Hamburger Polizei allerdings kaum noch mit der Auswertung hinterher. Für die Bußgeldstelle werden bereits neue Arbeitskräfte gesucht. 35 Stellen sind hier zu besetzen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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