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Abhängig durch Corona: Mehr Social Media- und Spielsucht bei Jugendlichen

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In der Corona-Pandemie hatten viele Teenager nur ihr Handy und ihren PC zur Unterhaltung zur Verfügung. Das hat Folgen bei den Kindern und Jugendlichen.

Hamburg – In der Coronavirus-Pandemie ist die Mediensucht bei Jugendlichen drastisch gestiegen. Während sich die meisten Teenager zu Hause aufhielten und Heimunterricht erleben mussten, waren die digitalen Medien Fluch und Segen zugleich. Zum einen war das in Kontakt bleiben mit Freunden und das Lernen und Lehren per Internet gewährleistet, zum anderen waren die Bildschirme aber das Einzige, was die meisten Kinder und Jugendlichen den ganzen Tag über zu Gesicht bekamen.

Aus Mangel an anderen Freizeitaktivitäten wurde deshalb gespielt und gechattet. Überall. Auch in Hamburg.

Jugendliche mit Social Media-Sucht in Deutschland246.000 (Stand 2021)
Jugendliche mit Videospiel-Sucht in Deutschland219.000
Nutzungsdauer von Social Mediaüber drei Stunden
Nutzungsdauer von Videospielenüber zwei Stunden

Dieser Umstand sorgte nun für eine Besorgnis erregende Entwicklung. Wie eine Studie, die im Auftrag der Krankenkasse DAK durchgeführt wurde, zeigt, ist die Zahl der Jugendlichen, die an Social Media- oder Videospielsucht leiden, in den letzten zwei Jahren deutlich angestiegen. Die Umfrage wurde mit 1250 Erziehungsberechtigten und jeweils einem dazugehörigen Kind im Alter von 10 bis 19 Jahren durchgeführt.

Wann ist man süchtig? So zeichnen sich Videospiel- und Social Media-Süchte ab

Eine Social Media- oder Computerspielsucht zeichnet sich laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch lange Zeiten vor dem Bildschirm aus, über die völlig die Kontrolle verloren wird. Außerdem leiden bei Betroffenen über einen längeren Zeitraum hinweg die sozialen Kontakte, Freundschaften, Hobbys und Verpflichtungen wie Schule, Lehre oder Studium. In Hamburgs Schulen müssen die Kinder und Jugendlichen nach wie vor Masken tragen.

Handyansicht mit Apps neben zwei Kindern vor Tablets.
Corona treibt die Kinder vor die Bildschirme. Die Mediensucht bei Jugendlichen hat in den letzten zwei Jahren zugenommen. (24hamburg.de-montage) © Silas Stein/Georg Wendt/dpa

Hamburger Schüler sind von dieser Gefahr natürlich nicht ausgenommen, vor allem während der Pandemie und steigenden Infektionsszahlen. Prof. Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) geleitet hat, sieht vor allem schüchterne Jugendliche mit wenig Selbstvertrauen als gefährdet an, die ohnehin bereits isolierter leben als andere Teenager, wie der NDR berichtet.

Wenn sie Sucht problematisch wird – Medien übernehmen alle Lebensbereiche der Jugendlichen

Phasen, in denen Videospiele oder Social Media eine große Rolle im Leben eines Jugendlichen spielen, können vorkommen und würden sich oft auch wieder legen. Problematisch sei eine solche Sucht erst, wenn sie sich zu einem permanenten Zustand entwickle. Wenn sich das Verhalten über etwa zwölf Monate nicht ändert, besteht laut Thomasius eine Sucht, die Probleme bereiten kann.

„Da persönliche, familiäre und schulische Ziele in den Hintergrund treten, werden alterstypische Entwicklungsaufgaben nicht angemessen gelöst. Ein Stillstand in der psychosozialen Reifung ist die Folge. […] Hieraus resultieren signifikante Beeinträchtigungen in persönlichen, sozialen und schulisch-beruflichen Lebensbereichen.“

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Den Anstieg der Mediensicht bei Kindern und Jugendlichen sieht der Professor im Nutzungsverhalten der Betroffenen begründet. Im Jahr 2019 waren noch 144.000 Jugendliche in Deutschland süchtig nach Computerspielen, im Jahr 2021 waren es schon 219.000. Auch die Social Media-Sucht stieg bei den Jugendlichen von 171.000 Betroffenen vor zwei Jahren auf 246.000 Betroffene in diesem Jahr an. Das sind über vier Prozent aller 10- bis 17-jährigen Deutschen, die täglich vier Stunden oder sogar mehr vor Spielekonsolen, Instagram, TikTok, WhatsApp oder Snapchat verbringen.

„Der Anstieg der Mediensucht ist vor allem auf die wachsende Zahl pathologischer Nutzer unter den Jungen zurückzuführen“, erklärte Thomasius. Das bedeutet in etwa, dass die Jugendlichen mit dem Spielen und Chatten nicht mehr aufhören können.

Nutzungsdauer fast verdoppelt – auch nach dem Lockdown bleiben die Zahlen hoch

In Stundenzahlen sind diese neuen Ergebnisse ebenso erschreckend. Während der noch immer grassierenden Corona-Pandemie hat sich die Nutzungsdauer von Handy, PC oder Spielkonsole nämlich sogar beinahe verdoppelt. 2019 daddelten Kinder und Jugendliche im Durchschnitt eine Stunde und 23 Minuten am Tag. Im Jahr 2020 stieg die Nutzung auf durchschnittlich zwei Stunden und zwölf Minuten, bevor sie außerhalb der Lockdowns wieder ein wenig abnahm.

Der Anstieg der Mediensucht ist vor allem auf die wachsende Zahl pathologischer Nutzer unter den Jungen zurückzuführen

Prof. Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen am UKE

Im Bereich der sozialen Medien sieht es ähnlich aus. Zuvor verbrachten Jugendliche etwa zwei Stunden am Tag auf Social Media-Plattformen wie Instagram & Co. Durch die Lockdowns im Jahr 2020 stieg die Dauer der Mediennutzung auf über 3 Stunden und blieb hartnäckig dort. Als die Schulen wieder öffneten und auch Freizeitangebote wieder erlaubt wurden, sank sie ein wenig, allerdings nicht wieder zu ihrer vorherigen Lage von 2019. Auch 2021 blieb die Nutzungsdauer für Social Media bei etwa drei Stunden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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