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Abgebrannte Kult-Kneipe auf dem Kiez: So geht es im „Nachthafen“ weiter

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Von: Ulrike Hagen

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Im Januar brannte St. Paulis Kult-Kneipe „Nachthafen“ bei einem verheerenden Brand komplett aus. Lange war unklar, wie es weiter geht. Nun gibt es gute Nachrichten.

Hamburg – Erst zwang die Corona-Pandemie den gestandenen Gastronomen in die Knie, dann gab ein Feuer Anfang des Jahres dem Hamburger Gastwirt Wolf-Dieter Lehmann den Rest. In der Nacht zum 12. Januar brannte seine von Hamburgs Nachtschwärmern heißgeliebte Bar „Nachthafen“ im Erdgeschoss eines vierstöckigen Hauses in der Clemens-Schultz-Straße komplett aus. „Ob oder wie es weitergeht, können wir beim besten Willen nicht sagen“, erklärte „Lehmi“ damals. Nun gab er 24hamburg.de ein exklusives Update.

Hamburger Stadtteil:St. Pauli
Bezirk:Hamburg-Mitte
Fläche:2,6 km²
Einwohner:21 803\t

Abgebrannte Hamburger Kult-Kneipe auf dem Kiez: So geht es jetzt weiter

Dem Lokal drohte ein ähnliches Schicksal wie der Kultbar Daniela, deren Aus sich bereits im Herbst 2021 ankündigte und einem Schanzen-Szenelokal, das nun nach 27 Jahren schloss. Ereignisse, die sich in das unrühmliche Hamburger Kneipensterben durch und mit Corona – auch und vor allem in der Sternschanze und auf St. Pauli – einreihen. Doch nun steht endgültig fest: Mit dem „Nachthafen“ wird es weiter gehen!

Aus dem Mehrfamilienhaus in der Clemens-Schultz-Strasse mit der Kult-Kneipe „Nachthafen“ auf St. Pauli schlagen große Flammen. Im Porträt: Wirt Wolf-Dieter Lehmann.
Am 12. Januar brannte der „Nachthafen“ komplett aus. Nun gab der Besitzer 24hamburg.de ein Update zur Wiedereröffnung. © dpa/TNN

Wohnhaus auf St. Pauli stand lichterloh in Flammen – „Nachthafen“ brannte vollständig aus

Dabei sah es wirklich nicht gut aus. Als Anfang des Jahres die Hamburger Feuerwehr mit 60 Einsatzkräften in der Clemens-Schultz-Straße eintraf, hatte der Brand bereits auf zwei Stockwerke übergegriffen. Bei dem Großbrand auf St. Pauli mussten diverse Wohnhäuser evakuiert werden. Alle 30 Anwohner konnten zwar gerettet werden, die Hitzeentwicklung des Brandes war jedoch so enorm, dass sogar ein vor der Bar geparktes Auto Feuer fing. Auch die Nachbarhäuser mussten evakuiert werden. Zwei Menschen wurden verletzt.

 Mein Ziel ist es, Ostern wieder aufzumachen.

Wolf-Dieter „Lehmi“ Lehmann, Wirt des Kult-Lokals

Großes Plakat vor der Kult-Bar macht Hamburgs Nachtschwärmern Hoffnung

Doch nun geht es tatsächlich voran – und Hamburgs Nachtschwärmer können sich darauf freuen, dass einer ihrer Lieblings-Ankerplätze auf St. Pauli bald wieder zum Einlaufen einlädt: Vor der Baustelle im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses hängt seit einigen Wochen ein großes Plakat. Darauf zu sehen ist die Silhouette tanzender Menschen vor einer Barkulisse.

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Crowdfunding und Vermieter retteten Kultkneipe vor dem Aus

Dass überhaupt an die Wiedereröffnung zu denken ist, ist vor allem der überwältigenden Unterstützung eines treuen Stammpublikums zu verdanken, das per Crowdfunding-Aktion innerhalb kürzester Zeit genug Geld sammelte, um dem gebeutelten Gastronomen nach dem Brand zu helfen. Auch der Vermieter sicherte sofort seine Unterstützung zu: „Er legt großen Wert darauf, dass der Nachthafen weiterlebt“, so „Lehmi“.

„Nachthafen“-Betreiber macht Hoffnung: „Richtung Ostern“ Wiedereröffnung

„Es geht sehr langsam, aber stetig voran“, erklärt Lehmann gegenüber 24hamburg.de, „aber es ist endlich Land in Sicht“. Er gab zu verstehen, dass vor der Eröffnung allerdings noch ein steiniger Weg liegt: „Es ist mit einer Menge Unwägbarkeiten verbunden.“ Nun aber geht es endlich mit Decken-, Boden- und Elektrizitätsarbeiten los. Und Lehmann wagt etwas wie eine Prognose für den Wiedereröffnungstermin: „Mein Ziel ist es, Ostern wieder aufzumachen“, so der Gastronom.

Rauch und entsprechend giftige Gase drangen an der Fassade des Gebäudes hoch
Rauch und entsprechend giftige Gase drangen an der Fassade des Gebäudes hoch © Elias Bartl

Der neue „Nachthafen“ soll der alte „Nachthafen“ bleiben

Der Charme, den die Fans der Pauli-Kultkneipe so schätzten, soll dabei erhalten bleiben, verspricht „Lehmi“. Zwar werden Barflies in Zukunft auf die rustikale Skihütten-Holzvertäfelung an den Wänden verzichten müssen. Aber alles andere soll möglichst der „Nachthafen“ werden, wie man ihn kannte: „Nicht Nachthafen 2.0, sondern 1.1.“, wünscht sich Lehmann.

In ganz Hamburg kämpfen Gastronomen mit Corona-Nachwirkungen und -Regelungen

In den Sternen hingegen steht, ob die Kult-Location dann auch wieder mit alten, neuen Problemen zu kämpfen haben wird. Denn Corona sorgt – speziell mit dem Thema Außengastronomie – weiterhin für Stress. Der Grund ist die in der Pandemie eingeführte umstrittene Regelung, dass Lokale auch auf umliegenden Außenflächen servieren dürfen.

Die Nachlöscharbeiten in der Kneipe dauerten mehrere Stunden
Die Nachlöscharbeiten in der Kneipe dauerten mehrere Stunden © Sebastian Peters

Unter anderem die Anwohner-Initiative „Pauli wohnt“ moniert, dass sich die Außengastronomie scheinbar völlig unkontrolliert ausbreitet. Um den Einwohnern eine „Atempause“ zu verschaffen, wird die Ausnahmeregelung auf St. Pauli darum nicht verlängert. Für Hamburg-Altona gelten jedoch nach wie vor andere Gesetze. Die CDU, SPD, FDP und Grüne wollen die Gastronomie, auch angesichts der in Restaurants horrend steigenden Energiepreise, weiter unterstützen. Aus diesem Grund wird die Ausnahmeregelung in Altona bis zum 31. Dezember verlängert.

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