Die A1 in Hamburg und Norddeutschland

A1 Hamburg: Von der Ostsee bis ins Saarland - Strecke, Baustellen und Besonderheiten

Niedersachsen, Bockel: Ein Blick auf die starkbefahrene Autobahn A1 in der Nähe der Anschlussstelle Bockel zwischen Bremen und Hamburg im Jahr 2018.
+
Autobahn A1 Richtung Hamburg.
  • Johannes Rosenburg
    vonJohannes Rosenburg
    schließen

Die Bundesautobahn führt von Heiligenhafen bei Fehmarn an Hamburg, Bremen, Dortmund und Köln vorbei ins Saarland.

  • Die Autobahn A1 bei Hamburg verläuft von der Ostsee über den Ruhrpott bis ins tiefste Saarland und legt dabei ganze 749 Kilometer zurück.
  • Die Baugeschichte der Bundesautobahn ist geprägt durch Kriegszerstörungen, Zwangsarbeit und stetige Brückenerneuerungen sowie Fahrbahnerweiterungen.
  • In der Eifel besteht bis heute eine 28 Kilometer lange Unterbrechung der A1.

Hamburg – Die Autobahn A1 bei Hamburg ist mit 749 Kilometern die drittlängste Autobahn der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Nur die A3 (769 Kilometer) und die A7 (962,2 Kilometer) können einen längeren Streckenverlauf vorweisen. Auf allen drei Strecken gibt es viel zu sehen. Wir wollen uns nachfolgend auf die A1 und ihre Besonderheiten konzentrieren. Der Streckenverlauf lässt sich mittels Google Maps nachvollziehen. Ausweichrouten werden ebenfalls auf der Karte angezeigt.

A1: Streckenverlauf von Ostsee über Hamburg, Bremen, Osnabrück bis Tondorf

Wird die A1, die auch BAB 1 genannt wird, befahren, zeigt sich Deutschland während der Reise von seinen schönsten, aber auch unterschiedlichsten Seiten. Der Streckenverlauf beginnt – je nach Perspektive – in Heiligenhafen oder Saarbrücken. Nehmen wir die Ostsee bei Fehmarn als Ausgangspunkt, führt der Weg, den die Autobahn nimmt, zunächst an Oldenburg und Neustadt in Holstein, etwas entfernt an Scharbeutz, Timmendorf und Travemünde sowie schließlich direkt an Lübeck vorbei. Etwas weiter süd-westlich trifft die A1 bei Hamburg zum ersten Mal auf eine Großstadt. Rechts an Harburg vorbei und über die Norder- sowie Süderelbe hinweg, geht es dann weiter in Richtung Süden, ehe die A1 am Maschner Kreuz bei Seevetal einen Knick gen Westen macht.

Südlich an Bremen und westlich an Osnabrück sowie Münster vorbei – mit starken Steigungen und Gefällen im Teutoburger Wald –, führt die A1 schließlich in den Ruhrpott. Nach Dortmund geht es über die Ruhrtangente östlich am bergigen Wuppertal vorbei, durch Leverkusen hindurch, über die Rheinbrücke hinweg und an Köln entlang. Bei Tondorf hat die Fahrt ohne Tempolimit dann ein Ende, denn ab der Abfahrt Blankenheim (114) geht es erst einmal auf Bundes- und Landstraßen weiter durch die Eifel.

A1 Hamburg: Streckenverlauf von Brück bis Saarbrücken

Bei Brück, genauer gesagt an der Anschlussstelle Kelberg, geht es dann wieder auf die A1. Von hier aus verläuft die Strecke der Autobahn durch eher ländliches Gebiet. Die Landschaft rechts und links wird immer grüner, die Gefahr eines plötzlichen Wildwechsels nimmt zu. An einigen größeren Städten, wie zum Beispiel Wittlich und Hetzerath, vorbei, überquert die Autobahn schließlich in der Nähe von Trier die Mosel. Es folgen viele Kilometer durch Wälder, Kurven und die Höhen des Hunsrücks, ehe die A1 in Malstatt, einem Stadtteil von Saarbrücken, in die B 268 übergeht. Von hier aus geht es auf geradem Wege ins Zentrum der Stadt. 

Insgesamt hat die A1 auf ihrem Weg vom Norden bis in den Süd-Westen Deutschlands drei Landeshauptstädte Hamburg, Bremen und Saarbrücken – passiert und folgende sieben Bundesländer durchquert:

  • Schleswig-Holstein
  • Hamburg
  • Niedersachsen
  • Bremen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland

Übrigens: Sollte es einmal zu stockendem Verkehr, Sperrungen und Umleitungen auf der Strecke kommen, informiert der ADAC Staumelder darüber. Und auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bietet aktuelle Verkehrsinfos.

A1 Lübeck-Hamburg-Bremen: Streckenabschnitte und Baulücke

Die einzelnen Streckenabschnitte der A1 haben im Volksmund unterschiedliche Bezeichnungen. Der nördlichste Teil der Strecke, also die A1 Hamburg-Heiligenhafen (oder andersherum), trägt oft den Namen „Vogelfluglinie“, während der Streckenabschnitt von Lübeck bis zum Ruhrgebiet auch als „Hansalinie“ bezeichnet wird. Der Abschnitt zwischen den Städten Köln und Trier ist auch als „Eifelautobahn“ bekannt. 

Auf der letzten Etappe besteht noch immer eine 28 Kilometer lange Baulücke, die jedoch – irgendwann einmal – geschlossen werden soll. Dieses Bauvorhaben, das rund 400 Millionen Euro kosten soll, steht bereits seit 36 Jahren auf der Agenda. Wann die Arbeiten an der Weiterführung der Autobahn beginnen sollen, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht klar. Der Startschuss wurde bereits mehrmals verschoben. Grund für die Verzögerungen sind ökologische Gesichtspunkte und der daraus resultierende Widerstand ambitionierter Naturschutzverbände.

A1 Hamburg Geschichte: Anfänge der Reichsautobahnen

Die Streckenplanungen, auf denen große Teile der heutigen A1 beruhen, haben ihren Ursprung in der Weimarer Republik. Erste Abschnitte im Norden des Landes wurden aufgrund der fortschreitenden Motorisierung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Anbindung strukturschwacher Gebiete bereits ab 1934, also in der NS-Zeit, gebaut. Die Fernstraßenpläne, die zunächst eine Verlängerung der A1 von Hamburg bis in die Schweiz und dann nach Norditalien vorsahen, wurden von der NSDAP stark kritisiert, da man Nur-Autostraßen – wie Autobahnen damals noch genannt wurden – als „Luxusstraßen der Reichen“ ansah.

Dennoch: Am 21. März 1934 begannen die Bauarbeiten – und zwar parallel an gleich 22 Stellen, die über das ganze Deutsche Reich verteilt waren. Das NS-Regime plante, jedes Jahr 1.000 Kilometer zu schaffen, um die neuen Reichsautobahnen möglichst zügig nutzen zu können. Begonnen wurde hiermit unter anderem an den heutigen Teilstrecken der A1 Hamburg-Bremen und der A1 Hamburg-Lübeck. Letztere begann in Hamburg-Horn, am sogenannten Horner Kreisel, und führte mit zwei Fahrbahnen bis ins Zentrum Lübecks. Freigegeben wurde der Abschnitt im Mai 1937.

A1 Hamburg: Baugeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte in den 60er Jahren eine Fortführung der A1 bis Köln. Die vielen Steigungen in Mitteldeutschland und weiter im Süden verlangten dabei nach einer ausgeklügelten Streckenplanung mit topografisch günstiger Lage. Zugleich mussten viele Streckenabschnitte und vor allem Talbrücken, die eigentlich schon fertig waren, erneuert werden, da diese im Kriegsverlauf beschädigt oder gar gesprengt worden waren. Die bereits gebauten Strecken der Autobahn wurden als strategisch wertvolle Routen angesehen und daher gezielt beschossen.

Etwa zwanzig Jahre und einen eifrigen Wiederaufbau später wurde die A1 Hamburg bis zum nördlichen Oldenburg in Holstein und zum südlichen Saarbrücken erweitert. Die Baulücke in der Eifel wurde hierbei zunächst ausgespart und sukzessiv verkleinert, aber nie geschlossen. Abschließend wurde die A1 bis nach Heiligenhafen, direkt an der Ostsee, verlängert. So gelangen Reisende und Händler heute schnell nach Puttgarden, von wo aus Fähren nach Skandinavien übersetzen.

A1 Hamburg: Verkehrsaufkommen und Baustellen

Die A1 verbindet viele Ballungsräume Deutschlands, darunter Hamburg, Bremen, das Rheinland und das Ruhrgebiet, miteinander. Aus diesem Grund sind viele Streckenabschnitte – gerade während der Rushhour – stark befahren. Um das hohe Verkehrsaufkommen in den Griff zu bekommen und einen fließenden Verkehr auch in Stoßzeiten zu gewährleisten, werden beziehungsweise wurden viele Streckenabschnitte um weitere Fahrstreifen erweitert. Auf diese Weise soll sich die Verkehrslage entspannen. Zwangsläufig ging das Verkehrsaufkommen auf der A1 – auch rund um Hamburg – durch die Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise im ersten Halbjahr 2020 drastisch zurück.

Außerdem soll unter anderem die Südumfahrung der A1 bei Hamburg ausgebaut werden, indem diese an die geplante A26 angeschlossen wird. Die Anschlussstelle Hamburg-Stillhorn muss hierzu ausgebaut werden, damit ein Autobahndreieck entsteht. Die Strecke zwischen dem Horster Dreieck (A7) und dem Kreuz Hamburg-Südost (A25) soll in diesem Zuge achtspurig werden. In Planung ist zudem der Bau des Fehmarnsundtunnels, ein Auto- und Zugtunnel, der im Jahr 2028 eröffnet werden soll. Die Fehmarnsundbrücke bleibt jedoch erhalten.

Apropos Brücken: Auch die Leverkusener Rheinbrücke, die bislang Blitzer säumt, muss aufgrund einer schadhaften Konstruktion erneuert werden. Da andere Brücken in der Umgebung ebenfalls für bestimmte Gewichtsklassen gesperrt sind, soll der Neubau zügig erfolgen. Der erste Spatenstich für den Bau der zehnspurigen Autobahnbrücke wurde am 14. Dezember 2017 gesetzt.

A1 Hamburg: Besonderheiten entlang der Strecke

Entlang der Streckenführung der A1 gibt es nicht nur viele große Städte wie Hamburg und Köln, sondern auch Autohöfe und Raststätten, McDonald-Filialen, Tankstellen, Motels, Campingplätze –und auch einige Besonderheiten. Wer im Norden zwischen der Anschlussstelle Reinfeld und dem Lübecker Kreuz unterwegs ist, wundert sich sicherlich über die Masten samt Oberleitungen, die rechts und links am Fahrbahnrand stehen. Diese sind Teil eines eHighways für Elektro-LKWs. Der Pilotbetrieb der 19 Millionen Euro teuren Teststrecke wurde am 1. Juli 2019 gestartet.

Nicht weniger beeindruckend ist das Mahnmal an der Autobahnkirche St. Paul bei Wittlich, das am 27. Januar 2013 eingeweiht wurde. Die beiden Edelstahltafeln erinnern an die zahlreichen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die von 1939 bis 1942 am Ausbau der A1 eingesetzt wurden. Gestaltet ist das Mahnmal in Form einer stilisierten Autobahn, deren Ende in eine blutrote Verästelung übergeht, die wie Stacheldraht aussieht und dem Bronchialsystem der Lunge ähnelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare