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9-Euro-Ticket: Was kommt ab September? Grüne schlagen zwei Nachfolger vor

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Von: Jan Knötzsch, Anika Zuschke

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Wird es einen Nachfolger des beliebten 9-Euro-Tickets geben? Die Grünen stellen zwei neue Optionen für eine Verlängerung des Billigtickets in den Raum.

Berlin/Hamburg – Das bundesweit beliebte 9-Euro-Ticket verliert Ende August 2022 seine Gültigkeit. Ab September müssen die Deutschen also voraussichtlich wieder gewohnt hohe Preise für den Nahverkehr zahlen. Doch da aufgrund der Gaskrise infolge des Ukraine-Kriegs Verbraucherpreise in vielen Lebensbereichen nach wie vor steigen, sucht die Politik energisch nach einem Nachfolgemodell für das Billigticket. Die Grünen legten dafür nun ein Konzept mit zwei unterschiedlichen Tickets vor – doch stößt der potenzielle Finanzierungsweg bei der FDP auf Abneigung.

Wegen 9-Euro-Ticket steigt Nachfrage nach öffentlichem Nahverkehr – kommt ein Nachfolger?

Die Nachfrage nach öffentlichem Nahverkehr ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen – das ist auch auf das 9-Euro-Ticket zurückzuführen. Einer Auswertung zufolge nutzten von April bis Juni 46 Prozent mehr Menschen den Schienennahverkehr als im ersten Quartal, berichtet der Spiegel. Damit dieses klimafreundliche Verhalten mit dem Ende des 9-Euro-Tickets nicht plötzlich wieder abbricht, legten die Grünen ein aktuelles Konzeptpapier für ein Nachfolgemodell des günstigen Deutschlandtickets vor.

„In Zeiten, da sich knapp 80 Prozent der Menschen im Land eine Nachfolgelösung des 9-Euro-Tickets wünschen, ist es höchste Zeit, über diese auch tatsächlich ins Gespräch zu kommen“, heißt es in dem Papier, über das zuerst das ARD-Hauptstadtstudio berichtete.

Verlängerung von 9-Euro-Ticket ab September: Grüne stellen zwei neue Tickets vor

Das Konzeptpapier stammt von Grünen-Parteichefin Ricarda Lang, Fraktionschefin Katharina Dröge und dem nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Oliver Krischer und schlägt ein Regionalticket für 29 Euro sowie ein bundesweit gültiges Ticket für 49 Euro im Monat vor. Beide vorgeschlagenen Tarife könnten dem Klima helfen und zugleich Menschen entlasten, erklärte Dröge in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Das Regionalticket für 29 Euro soll sich demnach vor allem an Pendler richten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren und „mindestens landesweit, aber auch für Regionen wie Berlin-Brandenburg oder Bremen-Hamburg-Niedersachsen“ gelten, heißt es laut dpa in dem Konzept. Das „49-Euro-Ticket für ganz Deutschland“ soll derweil ähnlich einfach funktioniert wie das aktuelle 9-Euro-Ticket. Beide Vorschläge werden aber nur für den Nah- und Regionalverkehr anvisiert – ICEs wären demnach wieder davon ausgeschlossen.

Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und ein 9-Euro-Ticket mit der Aufschrift „Verlängerung“.
Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket? Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge schlägt 49-Euro-Ticket als Nachfolger vor. (kreiszeitung.de-Montage) © Christian Spicker/Steinach/Imago

29-Euro-Ticket und 49-Euro-Ticket werden als potenzielle Nachfolger vom 9-Euro-Ticket genannt

Mit den Tickets könnten den Grünen zufolge viele Fahrgäste für „weniger als einen Euro am Tag“ fahren, berichtet die Tagesschau. Zudem sei die Lösung realistisch – weil finanzierbar – und würde aufgrund der Preise echte Anreize für den Umstieg auf Bus und Bahn bieten. Doch eben der potenzielle Finanzierungsweg der Grünen kommt nicht bei allen Kollegen aus der Politik gut an.

Denn zur Finanzierung der 9-Euro-Ticket-Nachfolger wollen die Grünen das Dienstwagenprivileg beschneiden, mit dem Unternehmen Kosten für Firmenwagen steuerlich absetzen können. „Statt einer Begünstigung, die vor allem Gutverdienenden zugutekommt, ermöglichen wir damit eine verkehrspolitische Maßnahme mit Breitenwirkung, die zudem einen wirksamen Anreiz zum Klimaschutz setzt“, heißt es in dem Konzeptpapier laut Spiegel. Vor allem der CO₂-Ausstoß soll dabei stärker berücksichtigt werden.

9-Euro-Ticket: Finanzierung von Nachfolger ist für Lindner „linke Polemik“

„Die daraus resultierenden Mehreinnahmen für Bund und Länder könnten nahtlos in die Finanzierung der günstigen Tickets fließen“, heißt es weiter in dem Papier. Man sei aber auch zu Gesprächen über andere Finanzierungswege bereit. Diese werden allem Anschein nach vonnöten sein, denn Finanzminister Christian Lindner (FDP) zeigt sich von der Option nicht begeistert – seiner Meinung nach habe die pauschale Versteuerung nichts mit Privilegien zu tun. „Es ist schon linke Polemik, die pauschale Versteuerung eines Geschäftswagens als Privileg zu bezeichnen, denn es ist vor allem eine Steuervereinfachung“, sagte Lindner der dpa. Ihm zufolge würde der Vorschlag der Grünen mehrere Millionen Menschen dazu zwingen, ein Fahrtenbuch zu führen, ohne dass der Staat dadurch Mehreinnahmen verzeichnen könnte.

Verkehrsminister Wissing zeigt sich gegenüber einer Verlängerung vom 9-Euro-Ticket offen

Generell weist die FDP die Vorschläge der Grünen zurück und lehnt laut der Tagesschau ein direktes Nachfolgeticket für September ab. „Singuläre Subventionen vom Bund für ein 9-Euro-Ticket-Nachfolgeangebot wird es mit der FDP nicht geben“, äußerte demnach Bernd Reuther, verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion und fuhr fort: „Es wird definitiv keine direkte Anschlusslösung an das 9-Euro-Ticket geben.“

Einzig FDP-Verkehrsminister Wissing zeigt sich dem Handelsblatt zufolge offen für einen Nachfolger des Billigtickets – zumindest kurzzeitig. „Es liegt nun an der Koalition, zu entscheiden, ob das Neun-Euro-Ticket in modifizierter Form fortgeführt werden kann“, erklärte ein Sprecher dem Handelsblatt. Bedingung dafür sei demnach „die Bereitschaft der Länder, sich substanziell an der Finanzierung eines solchen zu beteiligen“. Zuvor hatte Wissing den Ruf nach einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets stets abgewürgt.

Bremen: Länder zeigen sich für Mitfinanzierung von 9-Euro-Ticket-Nachfolger bereit

Doch die Bereitschaft der Länder scheint da zu sein: Nach Angaben der Bremer Mobilitätssenatorin, Maike Schaefer (Grüne), sind die Bundesländer bereit, ein Nachfolgeangebot zum 9-Euro-Ticket mitzufinanzieren. „Die Länder haben schon beim Corona-Rettungsschirm bewiesen, dass sie grundsätzlich bereit sind, sich substanziell zu beteiligen“, sagte die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Voraussetzung für eine solche Entscheidung seien ihr zufolge aber Fakten, die Bundesminister Volker Wissing bisher schuldig bleibe. Als offene Fragen nannte Schaefer dabei die Kosten für ein Nachfolgeticket, ob dieses bundesweit gelten würde und wie hoch der Länderanteil konkret sein solle. „Wenn Minister Wissing schon im September ein Nachfolgeticket am Start haben will, sollte er jetzt schleunigst liefern“, forderte die Grünen-Politikerin in Bremen laut RND. Verkehrsunternehmen rechnen bei einem Nachfolger des 9-Euro-Tickets mit einem deutlichen Subventionsbedarf, berichtet dpa. Demnach würde selbst ein Ticket für 69 Euro nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen jährliche Mehrkosten von zwei Milliarden Euro bedeuten. Wie es ab September mit dem 9-Euro-Ticket weitergeht, ist also nach wie vor offen.

HVV stellt Nachfolger für 9-Euro-Ticket vor – es gilt nur für Neukunden

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hat sich derweil schon vor dem Ablauf des letzten Monats, in dem das 9-Euro-Ticket gilt, eine besondere Aktion für seine Fahrgäste ausgedacht und verlost 999 Mal ein 9-Euro-Ticket-Jahresabo. Bedeutet: Ein Jahr lang kostet das Monatsabo die Gewinner des HVV Gewinnspiels nur 9 Euro pro Monat. Die Teilnahme am HVV Gewinnspiel geht ganz einfach über die Webseite des HVV. Interessierte müssen einfach die Gewinnspielfrage beantworten und das Kontaktformular ausfüllen. Möglich ist die Teilnahme bis zum 21. August 2022.

Das Jahresabo für das 9-Euro-Ticket wird vom 1. Oktober 2022 bis zum 30. September 2023 gültig sein. Neben den 999 Jahresabos, die in Hamburg vom HVV verlost werden. Gab der Hamburger Verkehrsverbund ein weiteres Angebot bekannt. Neukunden haben die Möglichkeit, das „ProfiTicket“ für den Zeitraum von 1. September 2022 bis 30. September 2023 für nur 36 Euro zu erwerben. Das ist zwar teurer als das jetzige 9-Euro-Ticket, mit neun Euro pro Woche aber immer noch deutlich günstiger als vergleichbare Angebote vor dem Entlastungspaket.

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