Bisher 50 Millionen Euro

Kaum Impfstoff und zu teuer: Wann schließt Hamburgs Impfzentrum?

  • Yannick Hanke
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Noch soll das Hamburger Impfzentrum in den Messehallen bleiben, der Vertrag wurde verlängert. Das hat bislang Millionen gekostet – und: Es fehlt Impfstoff.

Hamburg – Das von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Auftrag des Senats betriebene Hamburger Impfzentrum sollte ursprünglich Ende Mai 2021 schließen. Doch ist der Vertrag für die Anlaufstelle zwecks Corona-Impfung nun bis Ende August verlängert worden. Vorerst. Wie aber verhält es sich mit den Kosten für dieses immense Projekt – und reicht der Impfstoff in der Hansestadt Hamburg überhaupt noch für drei Monate?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung: 1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Vorwahl:040

Impfzentrum Hamburg: Vertrag bis Ende August verlängert – doch wo bleibt neuer Impfstoff?

Infolge des fehlenden Impfstoffs in Hamburger Hausarztpraxen sowie der Vergabe von mehreren zehntausend Terminen für Corona-Erstimpfungen, sind die Pforten auf St. Pauli vor allem für Zweitimpfungen länger geöffnet. Walter Plassmann, Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung, zeigt sich grundsätzlich positiv eingestellt.

Das Corona-Impfzentrum in Hamburg bleibt bis Ende August 2021. Doch steht auch genügend Impfstoff zur Verfügung? (24hamburg.de-Montage)

„Das Impfzentrum ist effektiver, als wir gedacht hatten – wir hatten die Infrastruktur auf 8000 Impfungen am Tag ausgelegt und können nun bis zu 11.000 Impfungen ohne Probleme durchführen“, heißt es von Plassmann gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“. Doch weiß der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung auch, „dass wir die PS aktuell nicht auf die Straßen bringen können“.

Hamburgs Krankenhäusern fehlt der Impfstoff – Agaplesion und Bethesda blank

Wenn das Impfzentrum in Hamburg geschlossen wird, fordert Plassmann eine „Anschlussstruktur“. Dorthin könnten die Menschen gehen, „die nicht zum niedergelassenen Arzt wollen oder können“. Die Sozialbehörde überlegt bereits, wo dieser Ort in der Hansestadt sein könnte.

Es wird an die beiden Asklepios-Krankenhäuser, das Agaplesion Diakonieklinikum sowie das Bethesda, gedacht. Dort werden derzeit Menschen ab 60 Jahren geimpft. Jedoch fehlt auch hier ausreichend Impfstoff. Indes sind die bisherigen Kosten für das Hamburger Impfzentrum von der Sozialbehörde auf 50 Millionen Euro beziffert worden.

Impfzentrum Hamburg kostet bisher 50 Millionen Euro – 60 oder 200 Euro pro Impfung?

Grob runtergebrochen bedeutet dies, dass rund 61 Euro pro Spritze veranschlagt worden. Bis Anfang Juni 2021 gab es 814.000 Impfungen, die mobilen Impfteams sowie Krankenhäuser mit eingerechnet. Demgegenüber stehen 281.000 Impfungen bei Hamburgs Haus- und Fachärzten* (Stand: 1. Juni 2021).

In Ärztekreisen wird jedoch geschätzt, dass eine Spritze im Impfzentrum sogar rund 200 Euro kostet. Eine Summe, die durch hohe Investitions- und Personalkosten zustande kommen würde. Abseits des Rätselratens um die exakte Summe für eine Impfung stellt sich folgende Frage: Macht die Vertragsverlängerung des Hamburger Impfzentrums für drei Monate überhaupt Sinn, wenn nicht mit konkreten Beständen an Impfstoff geplant werden kann?

Kurios: Hamburg auf erstem Platz bei Verimpfungsquote – doch vorletzter Platz bei Impfstoff

Die Sozialdemokraten in der Hamburger Bürgerschaft haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits verbal attackiert. Es wurde die Corona-Entwicklung im Allgemeinen und die Aufhebung der Impf-Priorisierung im Konkreten kritisiert. Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard stellte sich am Mittwoch, 2. Juni 2021, der Bürgerschaft. Sie betonte, dass in einem Ballungsraum wie Hamburg nicht so viel Impfstoff verfügbar sei wie in anderen Bundesländern.

Paradox: Zwar belegt die Hansestadt an der Elbe hinsichtlich der Verimpfungsquote den ersten Platz. Doch bekommt Hamburg bundesweit am zweitwenigsten Impfstoff zur Verfügung gestellt. „Ich kann den Frust vieler Hausärzte verstehen, weil die Versorgung mit Impfstoff nach wie vor schlecht und vor allem völlig unkalkulierbar ist“, heißt es von Walter Plassmann.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sicher: Hansestadt wird benachteiligt

Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung spricht von abgesagten Impfterminen, da „die gelieferte Menge weit unter der bestellten lag“. Schon Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hatte hinsichtlich dieser Problematik Alarm geschlagen.

Der Sozialdemokrat sieht eine klare Benachteiligung Hamburgs, „es muss jetzt zügig einen Ausgleich geben“. Mehr Corona-Impfstoff für das Impfzentrum der Hansestadt sowie Hausärzte? Vorerst ein frommer Wunsch. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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