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3G im HVV: 200.000 Kontrollen, nur 16 Strafen – wird hier geschlampt?

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Von: Kevin Goonewardena

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Seit sechs Wochen drohen im HVV bei Verstößen gegen die 3G-Regeln Strafen. Doch die Anzahl eingeleiteter Bußgeldverfahren ist lächerlich gering. Wie kann das sein?

Hamburg – Längst überfällig für die Einen, eine weitere vermeintliche Freiheitsbeschränkung für die Anderen – die Einführung der 3G-Regel in Bus und Bahn beim HVV sorgte vor sechs Wochen für einiges an Aufruhr. Und letztlich auch mit dafür, dass der Ansturm auf die Schnelltestzentren wieder zunahm. 150 Euro Bußgeld drohen seitdem denen, die ohne gültigen 3G-Nachweis im HVV erwischt werden. Dazu kommt noch eine Vertragsstrafe von 80 Euro an den HVV. Und gegebenenfalls ein separates Bußgeld, sofern der Fahrgast keinen Mund-Nasen-Schutz trägt. Bis zu 270 Euro können so schnell zusammen kommen. Eine Menge Geld, keine Frage.

Doch in welchem Umfang wurde seit der Einführung der 3G-Regelung am 24. November 2021 im HVV kontrolliert, wie viele Regelbrecher erwischt und Bußgelder und Strafen verhängt? Die Zahlen überraschen. Und werfen Fragen auf.

Name:Hamburger Verkehsrverbund
Gründungsjahr und -ort:29. November 1965 in Hamburg
Linien (Auswahl):119 Bus-, 6 S-Bahn-, 4 U-Bahn-, 8 Fährlinien
Einzugsgebiet:8616 km² mit 3,4 Millionen Menschen

HVV: Deutsche Bahn und Hochbahn wollen keine Auskunft zu Bußgeldverfahren bei 3G-Kontrollen geben

Doch die Unternehmen mauern. Die Deutsche Bahn, die mit ihrer 100 prozentigen Tochter S-Bahn Hamburg den Schnellbahnverkehr der Hansestadt Hamburg abwickelt, will sich laut Hamburger Abendblatt auf eine Anfrage der Zeitung nicht äußern. Wie das Abendblatt schreibt, heißt es von Seiten des Konzerns lediglich, dass 95 Prozent der Fahrgäste sich an die Regeln halten würden.

Fahrplanwechsel beim HVV.
Wer gegen die 2G-Regeln verstößt, wird ordentlich zur Kasse gebeten – heißt es zumindest. Aber passiert das auch so? (24hamburg.de-Montage) © Hanno Bode/imago

Wie viele Fahrgäste insgesamt in den letzten sechs Wochen die S-Bahn Hamburg genutzt haben und ob gegen die fünf Prozent die sich laut DB nicht an die Regeln gehalten haben, Verfahren eingeleitet wurden, blieb freilich offen. Und wie sieht‘s beim HVV aus? Auch die Hochbahn, die nach eigenen Angaben 119 Buslinien und die vier U-Bahn-Linien in Hamburg betreibt, teilt keine Zahlen mit. Christoph Kreienbaum, Sprecher der städtischen Tochterfirma, gibt sich verschlossen, sagt nur so viel: „Wir werden dazu keine Angaben machen.“

3G-Regel im HVV: 200.000 Kontrollen – aber nicht nicht mal 20 Verfahren

Vom 24. November 2021 bis zum 5. Januar 2022 seien rund 200.000 Fahrgäste in Bussen und Bahnen auf die Einhaltung der 3G-Regelung kontrolliert worden, teilt HVV-Sprecher Rainer Vohl immerhin mit. Doch auch er kann nicht sagen, wie oft beim HVV Bußgeldverfahren eingeleitet oder aber die HVV-Vertragsstrafen verhängt wurden. Das berichtete das Abendblatt und wertete die Verfahren die in dem Zeitraum bei der Bußgeldstelle erfasst wurden, aus.

Wir werden dazu keine Angaben machen.

Christoph Kreienbaum, Sprecher Hamburger Verkehrsbetriebe (HVV)

Ergebnis: Nur 16 Verfahren sind dort wegen Verstößen gegen die 3G-Regelung registriert, in elf Fällen ist ein Bußgeld erlassen wurden, die übrigen fünf befinden sich noch in Bearbeitung. Und: Alle Verfahren wurden durch die Polizei Hamburg auf den Weg gebracht. Ob diese eigenständige Kontrollen im HVV durchführt oder in den beschriebenen Fällen durch DB-Sicherheitskräfte hinzugezogen wurde, konnte bei der Polizei Hamburg allerdings auch niemand sagen.

HVV: Kontrollen der 3G-Regel nur stichprobenartig – wurde geschlampt?

Die zusätzliche Vertragsstrafe würden die einzelnen Verkehrsbetriebe im HVV, dessen Preise nun wieder gestiegen sind, selbst erheben. Die rund 750 Mitarbeiter im Prüfdienst des HVV, sagt Sprecher Vohl, würden sich die 3G-Nachweise bei der Fahrkartenkontrolle stichprobenartig zeigen lassen. „Wir können nicht jeden kontrollieren“, hatte die Geschäftsführerin der Hochbahn-Wache schon vor wenigen Wochen gegenüber 24hamburg.de mitgeteilt. Eine Änderung dieser Vorgehensweise sei bisher nicht geplant.

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Dennoch: Bei lediglich 16 eingeleiteten Verfahren nach 200.000 Kontrollen im HVV, drängt sich die Frage auf, ob sich wirklich nahezu alle kontrollierten Fahrgäste an die Regeln hielten, zu oft ein Auge zugedrückt oder gar von irgendwem an irgendeiner Stelle geschlampt wurde. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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