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2G im Einzelhandel: Handel klagt an – „Senat wird Totengräber der City“

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Von: Kevin Goonewardena

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2G im Einzelhandel hat die Kundenanzahl in der Hamburger Innenstadt halbiert. Unternehmer Peter Maßmann wirft dem Senat „Panikmache“ vor. Er wünscht sich Pragmatismus.

Hamburg – Schon das zweite Jahr infolge macht die Corona-Pandemie dem Weihnachtsgeschäft zu schaffen*. 23 Prozent der stationären Händler, dass ist das Ergebnis einer Commerzbank-Studie, fürchten um ihre Existenz, 71 Prozent sorgen sich darum dass die Innenstadt verwaist. Das bestätigt auch Peter Maßmann. Auch 2G im Einzelhandel trägt dazu bei.

Maßmann war einst Mitglied im Landesvorstand der Hamburger SPD, nun vermarktet er Gewerbeimmobilien. Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt kritisiert er die Corona-Politik in Hamburg in Bezug auf 2G im Einzelhandel und berichtet von Klagen der Händler.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:rund 1,9 Millionen
Regierungsoberhaupt:Peter Tschetschner (Erster Bürgermeister)

2G Hamburg und Weihnachtsgeschäft in Hamburg: Gesunkenes Kundenaufkommen in der Innenstadt

Nur halb so viele Menschen wie 2019 würden derzeit etwa die Spitalerstraße frequentieren, so Maßmann gegenüber dem Abendblatt. Jeder Zweite bliebe der Innenstadt fern, konstatiert der Unternehmer. Als Gründe führt er die Verunsicherung der Menschen wegen des Coronavirus an. Aber auch die 2G-Regel im Einzelhandel* trage einen Teil zum Fernbleiben der Kundschaft bei, da die 2G-Regel im Einzelhandel zusätzlich abschrecken würde.

Corona in Hamburg: Unterschiede im Einzelhandel zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein

Maßmann kritisiert, dass in Hamburg die Verantwortung für ungeimpfte Kunden in den Geschäften bei den Händlern liege. In der Konsequenz müssten diese sich deswegen um „teure Einlasskontrollen“ kümmern. In Schleswig-Holstein, so Maßmann, sei die Kontrolle der Impfausweise hingegen Sache der Polizei und es Ordnungsamts. Maßmann warf dem Hamburger Senat diesbezüglich vor sich als „Musterschüler“ aufspielen zu wollen und dabei allerdings zum „Totengräber der City“ zu werden.

Zettel an einem Schaufenster verweist auf 2G-Regel im Einzelhandel.
In Hamburg gilt im Einzelhandel die 2G-Regel – das stößt nicht allerorts auf Gegenliebe, sondern zieht auch heftige Kritik nach sich. © Christian Ohde/imago

Corona News Hamburg: Umsatzeinbußen im zweistelligen Bereich – was dagegen zu tun ist

Zwar habe sich trotz nur halb so vieler Besucher der Umsatz nicht halbiert, da die Kunden, die die Innenstadt besuchen, mehr kaufen, aber fast überall seien Umsatzeinbußen im zweistelligen Bereich zu verzeichnen. Maßmann empfiehlt das Überbrückungsgeld zu überarbeiten, um eben jene Umsatzverluste auszugleichen. Das jetzige „Überbrückungsgeld 3“ würde etwa erst bei 30 Prozent Umsatzeinbußen greifen, so Maßmann gegenüber dem Abendblatt.

Das heißt: Händler die nur 25 Prozent Umsatzeinbußen zu verzeichnen hätte, würden leer ausgehen. Hier müsse auch den kleineren Händlern geholfen werden und denen, die sich gegen die Pandemie stemmen, anstatt gleich dicht zu machen.

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Einzelhandel und Corona: Unternehmer fordert „weniger Panikmache“

Gefragt nach seinen Wünschen gegenüber der Politik, gibt Maßmann im Hamburger Abendblatt an, dass er sich weniger „Panikmache“ wünsche und bedient damit möglicherweise unabsichtlich ein gefährliches Narrativ, dass beispielsweise auch die Filmschaffenden, die sich an der #allesdichtmachen-Aktion* beteiligt haben, bedienten.

Die Abendblatt zitiert den Unternehmer mit den Worten „Manche Menschen glauben inzwischen, wenn sie heute einkaufen gehen, werden sie nächste Woche krank und sind übernächste Woche tot.“ Weiter führt er aus, das andere Länder pragmatischer mit der Pandemie umgehen würden „ohne, dass Corona dort schlimmer wütet. In Schweden oder Großbritannien gibt es nicht einmal eine Maskenpflicht.“

2G im Einzelhandel wegen Corona: Senat macht Händler zu Bauernopfern – sagt Peter Maßmann

Maßmann ist der Meinung, dass der Senat den Händlern „das Leben durch die 2G-Regel und deren Ausgestaltung ohne Not noch schwerer“ machen würde, als es die Corona-Pandemie eh schon macht. Denn die Zahlen und Auswertungen der Luca-App hätten gezeigt, dass das Einkaufen nicht wesentlich zum Infektionsgeschehen beitrage. Im Umkehrschluss ist diese wie andere Aussagen Maßmanns nur als eine Befürwortung der Abschaffung der 2G-Regelung zu deuten, die er, ohne es explizit zu sagen, für übertrieben, ergo nicht notwendig hält.

Wo gilt derzeit 2G Plus in Hamburg?

In den meisten Bereichen reicht die doppelte Coronaschutzuimpfung oder die Genesung von einer Coronainfektion aus, um Zutritt und Teilhabe zu erlangen. In beiden Fällen benötigt es einen amtlichen beziehungsweise ärztlichen Nachweis und die Identifikation mittels Lichtbildausweis, das heißt dem Personalausweis, Reisepass oder dem Führerschein. In manchen Bereichen ist jedoch zusätzlich ein negativer, tagesaktueller Schnelltest nötig. In Hamburg sind das:

- Kliniken und Krankenhäuser

Familienangehörige, Freunde und Bekannte die andere Patienten besuchen möchten brauchen ab jetzt immer einen negativen Schnelltest.

- Clubs und Diskotheken

Auch für Parties in Clubs und Diskotheken oder Konzertbesuche, also überall wo getanzt werden darf, ist die Erfüllung der 2G Plus-Regelung verpflichtend.

Der Unternehmer äußert sich ferner, dass es „bei der 2G-Regelung gar nicht mehr vorrangig um den Schutz vor einer Infektion“ gehe, sondern der Senat „Ungeimpfte dazu bringen“ wolle „sich impfen zu lassen. Es geht also nur um das Steigern der Impfquote. Und für dieses Ziel macht der Senat Händler und Gastronomen zu Bauernopfern.“ *24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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