Ungeimpft? Unerwünscht!

2G-Modell: Diese Regeln gelten für die Betreiber und Feiernden

  • Matthias Udwardi
    VonMatthias Udwardi
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Seit Samstag gilt in Hamburg die 2G-Regel. Geimpfte oder genesene Feierlustige dürfen wieder Party machen. Bar- und Clubbetreiber sind gespaltener Meinung.

Hamburg – Seit Inkrafttreten des 2G-Optionsmodells fallen in der Hansestadt die Corona-Beschränkungen. Das bundesweit bisher einzigartige Modell erlaubt es Geimpften und Genesenen wieder, tanzen und feiern zu gehen. Alle Bars und Clubs, die sich für das Modell registrieren, dürfen unter Einhaltung verschiedener Auflagen wieder (fast) wie vor der Corona-Pandemie öffnen. Den Betreibenden steht es allerdings frei, ob sie das 2G-Modell adaptieren wollen oder am 3G-Modell (geimpft/genesen/getestet), mit all seinen Vor- und Nachteilen, festhalten.

Viele Wirtinnen und Wirte meldeten sich dennoch schon am Freitag an und empfingen bereits in der Nacht auf Samstag pünktlich um Mitternacht zahlreiche Gäste. Insgesamt entschieden sich bisher 272 Lokale für die Einhaltung der 2G-Regel. Davon sind 109 Betriebe aus dem Bezirk Hamburg-Mitte. Schlusslicht der „Early Adopter“ ist der Bezirk Bergedorf mit 7 Lokalen.

Ist die 2G-Regel verfassungswidrig?

Was ist das 2G-Modell?Beim 2G-Optionsmodell dürfen nur Geimpfte und Genesene rein. Getestete sind ausgeschlossen.
Was bedeutet 3G-Regel?Die 3G-Regel bedeutet, dass nur Geimpfte, Genesene oder Getestete Zutritt erhalten.
Wie viele vollständig Geimpfte sind an Corona erkrankt?Laut RKI gab es seit Beginn der Impfkampagne bis zum 17. August 2021 ganze 13.360 symptomatische Impfdurchbrüche.

2G-Modell: Diese Regeln gelten für die Betreiber und Feiernden

In den Lokalen, die die 2G-Regel annehmen, entfällt die Abstandspflicht. Die Betreiber und das Partyvolk müssen sich jedoch an mehrere Regeln halten, die von der Polizei streng kontrolliert werden. Die Lokale sind dafür verantwortlich, alle Gäste auf ihre Impf- oder Genesenenausweise kontrollieren. Außerdem ist es Voraussetzung, dass alle Mitarbeiter vollständig geimpft sind. Für die Feiernden gilt beim Tanzen eine Maskenpflicht. Diese Corona-Regeln gelten übrigens bei privaten Feiern.

Alle Tische können von den Betreibern wieder nach Belieben ausgerichtet werden. An diesen festgelegten Plätzen müssen die Feiernden auch keine Maske mehr tragen. Außerdem wird die Testpflicht für alle ausgesetzt. Mit dem neuen Modell sind bei Live-Musik-Veranstaltungen oder bei Sportevents auch wieder deutlich mehr Gäste erlaubt. In geschlossenen Räumen dürfen 1.300 Menschen feiern, draußen sogar 2000. Überall wo getanzt wird, sind die Auflagen jedoch etwas strikter. Dort dürfen 750 Gäste draußen feiern, drinnen sind allerdings nur 150 Feiernde erlaubt.

Das große Plus: für alle registrierten Clubs und Bars entfällt die Sperrstunde. Diese war bisher auf 23 Uhr angesetzt.

2G-Modell: am Wochenende wurde in Hamburg heftig gefeiert. (Archivfoto/24hamburg.de-Montage)

Trotz der schnellen Umsetzung konnte nicht jeder Club bei den polizeilichen Kontrollen glänzen. An der großen Freiheit wurde das „BKI:Kiezinternat“ von der Polizei bereits nach zwei Stunden bis zum nächsten Morgen geschlossen. Grund dafür war, dass die 2G-Regeln zwar beantragt, jedoch nicht eingehalten wurden. Eine Bar auf dem Hans-Albers-Platz hatte das gleiche Problem. Dennoch verlief das Wochenende insgesamt weitestgehend entspannt.

2G-Regel: Uneinigkeit bei den Betreibern und Wirten

An dem Wochenende zeigte sich, dass vor allem kleinere Clubs und Bars wirtschaftlich von der 2G-Regel profitieren. Für viele Lokale war die Beschränkung der zugelassenen Gäste während der Corona-Pandemie eine Katastrophe, es kam zu einem regelrechten Restaurantsterben in Hamburg. Größere Restaurants oder Cafés scheinen die 2G-Regel bislang noch wenig zu nutzen. Das zeigt sich auch in den Meinungen der Betreiber. Nicht alle teilen Bürgermeister Peter Tschentschers (SPD) Begeisterung für das 2G-Optionsmodell.

In den Lokalen „Knallermann“ und „Rock-Bar“ geht das Hauptgeschäft erst ab 21 Uhr los. Deshalb bleibt dem Besitzer Sascha Nürnberg nach eigenen Aussagen gegenüber der MOPO wirtschaftlich kaum eine andere Wahl, als sich für das 2G-Optionsmodell zu entscheiden. Im „Thomas Reed“ oder im „Hooters“ wird hingegen noch an der 3G-Regel festgehalten. Als Gründe werden vor allem Personalmängel genannt. Zum einen ist nicht jeder vollständig geimpft, zum anderen fehlen die Kapazitäten für die Ausweiskontrolle oder die Kontrolle der Maskenpflicht.

2G-Regel: Wirte wollen Ungeimpfte nicht ausschließen

Hinzu kommt, dass viele Wirtinnen und Wirte Ungeimpfte nicht aus ihren Lokalen ausschließen wollen. Viele finden, dass der Senat die Verantwortung an die Betreiber abstreift. Martin Ramsauer, Inhaber des „Fasan“, äußert sich erbost gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Warum sollen wir entscheiden, wer rein darf und wer nicht? Ich finde, jeder sollte selber entscheiden, ob er sich impfen lassen möchte oder nicht.“ Auch Patrick Rüther und Tim Mälzer von der „Bullerei“ schreiben aufgebracht von einer Ausgrenzung von „Nichtgeimpften, Nichtdurchgeimpften, Schwangeren, manchen Allergikern und anderen.“

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Hamburg ist am Wochenende nur minimal von 87,1 auf 89,6 angestiegen. Kommt deshalb bald ein 3G-Plus-Modell statt dem 2G-Modell? Es bleibt weiterhin abzuwarten, ob und wie das 2G-Modell bundesweit umgesetzt wird. Das planen HSV, St. Pauli und Towers in Hinblick auf 2G. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/Axel Heimken/dpa

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