Unwissenheit der Wirte

2G-Modell in Hamburg: Auf Corona-Streife mit der Polizei

Ein Polizist steht auf dem Hamburger Beatles-Platz
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Mit der Hamburger Polizei auf Corona-Streife
  • Elias Bartl
    VonElias Bartl
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24hamburg.de-Reporter gehen auf Corona-Streife mit der Polizei. Beamte kontrollieren in der Schanze, auf St. Pauli und in Bergedorf die G2-Regeln.

Hamburg – Viele Menschen in Hamburg nutzen das Wochenende, um die letzten Sommertage in ihren Lieblingslokalen oder beim Feiern zu verbringen. Einige Wirte und Lokalbetreiber haben, um den Gästeandrang bewältigen zu können, auf das sogenannte 2G-Modell umgestellt.

2G bedeutet, dass nur noch von Corona genesene und geimpfte Menschen bewirtet werden dürfen. Neben vielen zurückerlangten Freiheiten, wie dem Wegfall der Abstandsregeln, kommen aber auch neue Pflichten hinzu. Von Bergedorf bis St. Pauli war die Hamburger Polizei am Wochenende im Einsatz, um die 2G-Regel in Lokalen zu kontrollieren.

Coronakontrolle in Hamburg: Mit der Polizei von Bergedorf bis St. Pauli

Bereits am Freitagnachmittag starten fünf Beamte der Polizeiwache Bergedorf zusammen mit einem Mitarbeiter des Bezirksamtes ihre Kontrolle. Im Fokus der Polizisten sind mehrere Kneipen, die bereits in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind.

Im Streifenwagen sind die Bergedorfer Polizisten auf dem Weg zu ihren Kontrollen

Die erste Adresse ist eine kleine Kneipe am Rand von Lohbrügge. Ein älteres Ehepaar sitzt vor der Kneipe und trinkt Bier. Schnell wird klar, dass weder Gäste noch Wirt sich so richtig mit ihren neuen Pflichten auseinandergesetzt haben. Die Gäste sind weder im Lokal registriert, noch werden Masken getragen. „Wir dachten, mit 2G müssen wir uns nicht mehr anmelden und die Maskenpflicht fällt weg“, erwidert das Ehepaar den Polizisten. Die Beamten klären auf und sprechen eine mündliche Verwarnung aus. „Hier werden wir in einigen Tagen noch einmal kontrollieren“, erzählt die Einsatzleiterin unserem Reporter.

Schon seit Beginn der Corona-Pandemie arbeiten die Polizisten in Bergedorf mit einem in Eigenarbeit entworfenen Ampelsystem. Bei Kontrollen werden die Lokale in drei Kategorien eingestuft. Lokalitäten ohne Beanstandungen werden als grün eingestuft und bei einer Verwarnung als Gelb. Rot eingestuft sind die geschlossenen Betriebe.

2G-Regel in Hamburg: So halten sich Bars und Restaurant an die Bestimmungen

Weiter geht es zur nächsten Kneipe. Mitten in Bergedorf. Der Betrieb wurde wegen Verstößen bereits mehrfach geschlossen und hat erst am Freitag wieder eröffnet.

Schnellen Schrittes geht es für die Polizisten zur nächsten Kontrolle

Als die Beamten aus ihren Autos springen, werden hektisch Getränke weggeräumt und Gäste versuchen, den Laden zu verlassen. Nur durch klare Ansagen der Polizisten lassen sich die aggressiven jungen Männer kontrollieren. Viele von ihnen sind weder in der Luca-App noch handschriftlich in der Kneipe registriert. Auch hier bleibt es vorerst bei einer mündlichen Verwarnung.

Polizei Hamburg kontrolliert 2G-Regel in der Gastronomie – 24hamburg.de ist live dabei

Um Punkt 21:00 Uhr geht es weiter zur Lagebesprechung am Polizeikommissariat 16 in der Hamburger Sternschanze. In der Vergangenheit ist der Stadtteil mit seinen vielen Restaurants und Bars durch ausufernde Partys ohne Abstand und Regeln aufgefallen. Polizeihauptkommissar Dulz leitet diesmal den Einsatz.

Seit zwei Jahren arbeitet der Hauptkommissar an der Lerchenwache und ist für die Lokale und Schankbetriebe im Schanzenviertel zuständig. Die meisten Wirte kennen ihn. Bei Fragen hat er immer ein offenes Ohr, doch wenn sich ein Betrieb nach einer Verwarnung nicht an die Regeln hält, folgen die Konsequenzen. Mehrere Kneipen mussten in den letzten Monaten den Betrieb einstellen, bis ein Hygienekonzept vorgelegt werden konnte.

Polizeihauptkommissar Dulz erklärt seinen Kollegen die Lage im Schanzenviertel.

Neben der Bereitschaftspolizei begleiten auch hier zwei Mitarbeiterinnen des Bezirksamtes den Streifengang. Bereits im ersten kontrollierten Lokal an der Juliusstraße kommt die Unwissenheit der Wirte schnell zum Vorschein. Es gibt zwar einen Türsteher, doch durch die geöffnete Glasfront der Bar können auch Gäste ohne Kontrolle den Laden betreten. Der Wirt ist einsichtig und schließt die Glasfront.

2G-Regel im Hamburger Schanzenviertel: In der Katze diesmal alles in Ordnung

Wenige hundert Meter entfernt kontrolliert die Polizeitruppe um den Hauptkommissar die berühmte Bar „Katze“. Wegen massiven Verstößen gegen die Eindämmungsverordnung musste der beliebte Laden bereits einmal den Betrieb einstellen. Als wir die Bar erreichen, ist es brechend voll. Eine lange Schlange hat sich bereits vor dem Laden gebildet, doch die Kontrolle verläuft ohne Beanstandung.

In der „Katze“ haben die Polizisten nichts zu beanstanden.

Der restliche Streifengang durch die Schanze läuft ohne größere Probleme ab. Immer wieder werden vereinzelte kleinere Verstöße festgestellt. Bis auf einen Laden, in dem sich mehrere ungeimpfte Gäste aufhalten, bleibt es bei mündlichen Verwarnungen. Der Betrieb muss den Außenbereich schließen, da dieser nicht ausreichend durch den Wirt kontrolliert werden konnte. Viele Wirte sind durch die sich immer wieder ändernden Coronaregeln und Vorschriften in Hamburg schlichtweg überfordert und häufig unwissend.

Die Gäste müssen bei der Kontrolle ihren Impfnachweis und die Luca App vorzeigen.

Auf dem Weg zurück zur Polizeiwache bleibt Dulz immer wieder kurz stehen. Zufrieden schaut er in einen kleinen Pizzaladen an einer Straßenecke. Alle Gäste und der Inhaber tragen vorbildlich eine Maske. „In der Vergangenheit mussten wir hier häufig aktiv werden, da sich an keine Regeln gehalten wurde, jetzt läuft aber alles so, wie es soll“, erzählt Hauptkommissar Dulz unserem Reporter.

Zufrieden mit der Kontrolle geht es für das Team um den Polizeihauptkommissar zurück zur Polizeiwache

Samstagabend auf St. Pauli: Auf Streife mit der Polizei

Auch am Samstagabend reißt die Feierlaune der Hamburger nicht ab. Um 21:30 Uhr startet Hauptkommissar Freudenberg in Begleitung zweier Beamten vom Gesundheitsamt seinen Rundgang über den Kiez von der Davidwache. Die meisten Wirte kennen den Beamten und begrüßen ihn mit einem Lächeln. Sie freuen sich, wieder öffnen zu können und Gäste zu empfangen, erzählt uns eine Wirtin.

Der Polizeihauptkommissar kontrolliert zusammen mit dem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Impfnachweise in einem Club.

Es geht vom Hans-Albers-Platz über die Gerhardstraße und weitere kleine Straßen in Richtung der Großen Freiheit. Erst am vergangenen Wochenende musste hier der Techno-Club BKI dicht gemacht werden. Zu viele Gäste tanzten ohne Abstand und Maske. Nun steht die Nachkontrolle an. Impfnachweise und die Kontaktdaten werden kontrolliert. Hier passt alles. Vier weitere Clubs werden stichprobenartig kontrolliert, auch hier gibt es nichts zu beanstanden.

Tausende drängen sich auf der großen Freiheit – viele müssen an Regeln erinnert werden

Tausende Menschen tummeln sich dicht gedrängt auf der großen Freiheit.

Der Streifgang führt weiter über die Große Freiheit. Tausende Feierwütige tummeln sich hier dicht gedrängt vor den Bars, Clubs und Diskotheken. Immer wieder muss Hauptkommissar Freudenberg Passanten ansprechen und an das Alkoholverbot erinnern.

Dönerläden im Visier: Massiver Verstöße – drei Läden dicht gemacht

Gegen 02:00 Uhr werden die Beamten um Hauptkommissar Freudenberg auf einen Dönerladen auf der Reeperbahn aufmerksam. Trotz Sperrstunde für die Innengastronomie ab 23:00 Uhr ist das Restaurant gut besucht. „Hier waren wir in den letzten Wochen immer wieder“, erklärt der Polizist unserem Reporter.

Nicht zum ersten Mal muss der Polizist diesem Restaurantbetreiber die Coronaregeln erklären.

Bei der Kontrolle stellen die Beamten fest, dass knapp 20 Gäste weder registriert, noch mit der Luca-App in dem Restaurant angemeldet sind. Alle Beanstandungen und die Daten der Gäste werden dokumentiert, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Für den Restaurantbetreiber endet der Abend früher als geplant. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes schließen den Laden für die nächsten zwei Wochen.

Nur einen Steinwurf entfernt: der nächste Dönerladen. Auch hier dasselbe Bild. Trotz Sperrstunde ein gut besuchter Innenraum. In diesem Restaurant ist zwar die Registrierung kontrolliert worden, trotzdem schließen die Behördenmitarbeiter auch diesen Laden bis zum nächsten Morgen.

Coronastreife auf St. Pauli: Die Bilanz des Abends

Die Bilanz des Abends – zufriedenstellend für die Männer. Die meisten Kiez-Wirte halten sich an die Regeln. Diejenigen, die auffallen, sind häufig dieselben. Am Ende des Abends stehen viele positive Gespräche mit den Wirten, einige kleine Verstöße gegen das Alkoholverbot und insgesamt drei geschlossene Dönerläden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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