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Podcast statt ARD-Tagesschau: „Zaziki“-Moderatorin Linda Zervakis redet da mit „Ka**ken“

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Sie wurde in der Schule „Zaziki“ genannt, ihre Eltern kamen als griechische Gastarbeiter nach Deutschland. Ihre Kindheit verbrachte sie zu einem Großteil hinter einem Kiosk-Tresen in Hamburg-Harburg. Linda Zervakis bezeichnet sich selbstironisch als „Ka**ke“. In einem Spotify Podcast will die Tagesschau-Sprecherin über Migration, Rassismus und „Gute Deutsche“ sprechen. Star-Gäste haben sich bereits angekündigt.

Hamburg - Wie heißt sie noch gleich, die dunkelhaarige Tagesschau-Sprecherin? Ihr Nachname klingt doch so ähnlich wie „Zaziki“ - war es Zawakis? Oder Zerwakis?

Sicherlich kommen Linda Zervakis (45) solche Anspielungen auf ihren Namen bekannt vor, schon in der Schule nannten ihre Mitschüler sie „Zaziki“ - als rassistisch habe sie diesen Spitznamen nie empfunden, erzählte sie gegenüber der Welt. Trotzdem scheint ihr Migrationshintergrund immer wieder Thema, insbesondere in der Öffentlichkeit gilt sie als die „erste Tagesschau-Sprecherin mit Migrationshintergrund“. Dabei wolle die ARD-Nachrichtensprecherin gar nicht mehr auf ihre griechischen Wurzeln reduziert werden und “Linda das Migrationshintergrund-Accessoire“* sein. 

FernsehmoderatorinLinda Zervakis
Geboren1975 (Alter 45 Jahre), Hamburg
Größe1,69 m
AusbildungFriedrich-Ebert-Gymnasium
Eltern:Christos Zervakis, Chrissoula Zervakis

Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis (ARD/NDR): Hamburgerin startet Spotify-Podcast

Linda Zervakis wurde in Hamburg geboren, ihre Eltern stammen aus Griechenland.. Im „Bürokraten-Deutsch“, wie die ARD-Tagesschau-Sprecherin es im Teaser ihres neuen Spotify-Podcasts bezeichnet, sei sie daher ein „Mensch mit Migrationshintergrund“. „Aber eigentlich geht‘s dabei ja mehr um ein Gefühl, als um eine Definition.“ - das Gefühl, sich immer zwischen den Stühlen zu befinden, nie so richtig dazuzugehören.

Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis geht unter die Podcaster: „Gute Deutsche“ erscheint am 15. Juni auf Spotify.

Und das Gefühl beschlich Linda Zervakis bereits in ihrer Kindheit: „Ich hab mich geschämt, meine Klassenkameradinnen aus besserem Hause zu mir nach Hause einzuladen“ erzählt sie zu Gast im Spotify-Podcast „Gemischtes Hack“. Ihr Zuhause war eine Drei-Zimmerwohnung in einem Hochhaus in Hamburgs Arbeiterviertel Harburg. Ihr Zimmer teilte sie sich mich ihrem Bruder.

Linda Zervakis‘ Leben war nicht immer so glattgebügelt, wie ihre Tagesschau-Outfits es heute sind. Ihre Eltern kamen in jungem Alter als griechische Gastarbeiter nach Hamburg, finanziell war es nicht immer einfach für die Familie. „Ich habe Arbeits- und Sozialämter auch schon von innen gesehen.“ erzählt die ARD-Moderatorin. Während andere Teenager in ihrem Alter auf Partys gegangen sind, habe sie hinter dem Tresen gestanden und im Kiosk ihrer Eltern ausgeholfen. Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit hat die 45-Jährige in ihrem Buch Königin der bunten Tüte“ niedergeschrieben.

Heute sieht es für Linda Zervakis ganz anders aus. Privat lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern in Hamburg. Beruflich stand sie schon neben Barbara Schöneberger als ESC-Moderatorin, arbeitet als Nachrichtensprecherin bei der Tagesschau, war bereits als Reporterin für den Norddeutschen Rundfunk (NDR) unterwegs und arbeitet in der Redaktion von ARD-Aktuell. Ihr neuestes Projekt: Ein eigener Podcast. „Gute Deutsche“ heißt er und erscheint am 15. Juni auf Spotify.

Linda Zervakis (links) und Barbara Schöneberger beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2019.

Linda Zervakis (ARD) startet Spotify-Podcast „Gute Deutsche“ - Star-Gäste auf Instagram angekündigt

Darin will Linda Zervakis mit prominenten Gästen sprechen, die wie sie einen Migrationshintergrund besitzen. „Ich rede da halt mit ‚Kanaken‘“, sagte sie selbstironisch im Podcast Gemischtes Hack. „Ich rede da mit Menschen, die wie ich einen Migrationshintergrund, -vordergrund whatever haben. Und ich möchte das so ein bisschen normalisieren.“ Die Schwere aus dem Thema nehmen, nicht die „gewohnte Keule schlagen“ - das sei ihr Ziel mit dem Podcast

Auf ihrem Instagram-Kanal machte Linda Zervakis bereits eine große Ankündigung: „Also wäre ich jetzt Musiker, würde ich sagen, in zweieinhalb Wochen kommt meine Langspielplatte heraus. Aber in gut zweieinhalb Wochen kommt mein Podcast raus. Bei Spotify. Das ist sozusagen ein Spotify-Original und der heißt ‚Linda Zervakis präsentiert: Gute Deutsche‘ “. Ihre Gäste wolle sie „einfach mal so ein bisschen fragen, wie das ist. Ob es nicht sogar Vorteile hat. Oder ob sie Schwierigkeiten damit hatten? Was eigentlich typisch deutsch an ihnen ist und was gar nicht.“

Linda Zervakis kündigt auch gleich schon ein paar prominente Gäste an. In ihrer ersten Podcast-Folge spricht die 45-Jährige mit Jorge Gonzaléz - er wurde vor allem als „Catwalk-Trainer“ in der „Castingshow Germany’s Next Topmodel“ (ProSieben) bekannt. Der 52-jährige kam nach Deutschland, weil seine Homosexualität in seinem Heimatland Kuba nicht toleriert wurde. „Okay, was ist los hier in diesem Land?“ fragte er sich damals, so erzählt er im Teaser des Podcasts „Gute Deutsche“. Wie es ihm in Deutschland erging und ob er mit offenen Armen empfangen wurde, darüber spricht Linda Zervakis mit ihm.

Auch Giovanni di Lorenzo wird gleich in der ersten Folge zu Gast in Linda Zervakis‘ Podcast sein. Er ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ und Fernsehmoderator (NDR). Sein Vater war Italiener, seine Mutter Deutsche - mit elf Jahren kam er nach Deutschland und lebte in Hannover. Rassistische Sprüche wie „Di Lorenzo, diesen Itaker, sollte man aufhören“ prägten den Journalisten stark - auch das verrät der Podcast-Teaser bereits.

Linda Zervakis (ARD) über Rassismus in Deutschland: „Wir haben damit doch ein Problem“

Seit dem rassistischen Mord an George Floyd* in den USA ist Rassismus aktuell weltweit ein großes Thema. Auch in Hamburg kochte die Thematik kürzlich erneut hoch, als ein Video im Netz auftauchte, in dem Hamburger Polizisten einen dunkelhäutigen Mann brutal auf den Boden drückten. Mit Hashtags wie #blacklivesmatter entstehen große Proteste in den sozialen Medien, mit denen gegen Rassismus demonstriert wird. Auch außerhalb des Internets gehen Menschen für Anti-Rassissmus-Demos auf die Straße. 

Auch wenn Linda Zervakis die ��Zaziki“- Sprüche aus ihrer Kindheit „eigentlich ganz lustig“ fand und „auch nicht als Beschimpfung“ wahrnahm (so Zervakis gegenüber der Deutsche-Medienmanufaktur), findet die Tagesschau-Sprecherin trotzdem, dass Rassismus immer noch ein großes Thema ist. Sprüche aus ihrem eigenen Freundeskreise zeigten ihr immer wieder: „Okay, wir haben damit doch ein Problem“ - das erzählte sie im Podcast „Gemischtes Hack“. 

Ob Linda Zervakis mit ihrem neuen Spotify-Podcast „Gute Deutsche“ ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird „die Schwere aus dem Thema zu nehmen“, wird sich zeigen. Doch die lässige, humorvolle Art der Tagesschau-Sprecherin, gepaart mit ihrer eigenen Vorgeschichte, versprechen zumindest eine ganz neue Herangehensweise an die Themen Migration und Rassismus.

(Anmerkung der 24hamburg.de-Redaktion: Die 24hamburg.de-Redaktion distanziert sich von jeglichem Gebrauch eines Hatespeech-Slurs und schreibt diesen nicht aus – somit auch nicht das „K-Wort“)

Quelle: 24hamburg.de

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Rubriklistenbild: © Instagram (lindazervakis), Facebook (Linda Zervakis)

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