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Umwelthilfe kritisiert: Bremerhaven hat immer noch keine Biotonne

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Von: Andree Wächter

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Wann ist Bio ökologisch? Die Stadt Bremerhaven und die Umwelthilfe haben verschiedene Ansichten. Schlussendlich geht es um Biomüll und die Entsorgung.

Bremerhaven - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert, dass noch immer mindestens 48 Landkreise und Städte keine getrennte Bioabfallsammlung anbieten. Dazu gehört auch Bremerhaven, sie wurde von der Umwelthilfe als „Komplettverweigerer“ tituliert. Laut der DUH hätten spätestens seit dem 1. Januar 2015 alle Landkreise und Städte verpflichtend eine getrennte Bioabfallsammlung anbieten müssen.

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Die den Kommunen ohne Biotonne und praxisuntaugliche Bringsysteme wird der Biomüll mit dem normalen Hausmüll entsorgt. Bioabfall macht noch immer zwischen 30 und 40 Prozent des Abfalls in der Restmülltonne aus. Aus Gründen des Ressourcen- und Klimaschutzes ist dies höchst bedenklich, dass er nicht überall zu Kompost oder Biogas verarbeitet wird. Denn so könnten hunderte Tonnen klimaschädliches CO₂ eingespart werden, meint die DUH.

Papiertüten sind die beste Wahl für Küchenabfälle für die Biotonne. Zeitungspapier lässt sich aber auch verwenden.
Papiertüten sind die beste Wahl für Küchenabfälle für die Biotonne. Zeitungspapier lässt sich aber auch verwenden. © Jantje Ehlers

DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer sagt: „Bioabfall sollte in aufgestellten Biotonnen direkt bei den Menschen vor Ort abgeholt werden. Bringsysteme, bei denen Verbraucher mit dem gesammelten Biomüll extra zu einem Wertstoffhof, einer Kompostanlage oder zu Containern im öffentlichen Raum fahren müssen, sind hingegen unpraktikabel. Diese Sammelpraxis kann allenfalls eine Ergänzung für Grünschnitt oder Laub, aber kein Ersatz für eine Bioabfalltonne daheim sein.“

Bremerhaven: Großteil des Biomülls wird verbrannt

Die Stadt Bremerhaven kann den Vorwürfen der DUH nicht folgen. Sie argumentierte: Der größte Teil des Biomülls, nämlich die Gartenabfälle, als Dünger, Erde oder Hackschnitzel würden wiederverwendet. Der restliche Biomüll werde verbrannt und so zu Strom und Fernwärme, so ein Sprecher der Stadt zu buten un binnen. Dies sei günstiger und klimafreundlicher als der Transport in ein Kompostwerk oder in eine Biogasanlage.

Auf ihrer Homepage rechnet die Umwelthilfe vor: „Aus einer Tonne Bioabfall entsteht in zehn bis zwölf Wochen 350 bis 450 Kilogramm Kompost, der aufwendig hergestellten Kunstdünger ersetzt. Aus einer Tonne Bioabfall können durchschnittlich 110 Kubikmeter Biogas gewonnen werden, dies ersetzt 66 Liter Heizöl. Bei einer Verbrennung von Bioabfall mit dem Restmüll geht der wertvolle Rohstoff hingegen weitestgehend ungenutzt verloren.“

Diskussion um Biotonne schon 2018 in Bremerhaven

Die Diskussion um eine Biotonne in Bremerhaven ist nicht neu. Mitte 2018 ploppte das Thema auf. Damals hatte der Nabu die gängige Praxis kritisiert. Das Gegenargument: Zu teuer, zu unhygienisch und zu wenig Platz.

Pikant: Am 28. November 2019 wurde das überarbeitete „Ortsgesetz über die Entsorgung von Abfällen in der Stadt Bremerhaven“ beschlossen. Im Paragrafen 8 heißt es: Die Getrenntsammlung von Bioabfällen aus Haushaltungen soll stadtteilweise eingeführt werden. Soweit dies erfolgt ist, sollen die Anschlusspflichtigen nach Bedarf einen Sammelbehälter für Bioabfälle (Biotonne) anfordern und benutzen, soweit sie keine Möglichkeit zur Eigenkompostierung haben.

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