Ein Zeichen gegen Hass

Tag gegen Homophobie: Darum kann Liebe kein Verbrechen sein

  • Johannes Nuß
    vonJohannes Nuß
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Es ist noch keine 30 Jahre her, da war gleichgeschlechtliche Liebe in Deutschland verboten. Einiges hat sich zum Positiven geändert, vieles liegt noch im Argen.

„Das sieht man Dir gar nicht an!“ Der Satz hat gesessen und wird auch immer sitzen. So oft hat Anna ihn schon gehört. Manchmal überhört Anna den Satz auch einfach oder ignoriert ihn schlichtweg. Doch das ist das Schwierigste und gleichzeitig auch das Leichteste. Denn eigentlich will Anna den Satz nicht überhören, eigentlich will Anna nur ein ganz normales Leben führen. Doch das ist alles nicht so einfach, denn Anna liebt Marie – eine andere Frau.

Trans- und Homofeindlichkeit: Gleichheit und Nichtdiskriminierung ist ein Menschenrecht

So wie Anna geht es in Deutschland und Europa täglich vielen Menschen, egal welchem Geschlecht sie angehören oder sich zurechnen. Viele von ihnen versuchen in der Masse unterzugehen. Bloß nicht auffallen. Sie sind weiblich, männlich, transsexuell – manchmal wissen sie es selber nicht so genau.

Sie erleben Hass, und das nur, weil sie nicht gleich sind. Dabei ist der Grundsatz der Gleichheit und Nichtdiskriminierung ein grundlegender Bestandteil des Schutzes der Menschenrechte. Er wird von der Europäischen Menschenrechtskonvention garantiert.

Bis zum 11. Juni 1994 galt in Deutschland noch der Paragraf 175 des deutschen Strafgesetzbuches, der gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe stellte.

Doch, so schön Gesetzestexte in der Theorie klingen mögen, so höhnisch können sie sich für manchen von denen, die betroffen sind, anhören. Homo-, Bi-, Inter- und Transphobe Zwischenfälle sind an der Tagesordnung. Die Grundrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBTI) werden systematisch mit Füßen getreten – oft auch ausgerechnet von denen, deren Aufgabe es eigentlich ist, sie zu schützen. Nämlich von öffentlichen Stellen.

Der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie lässt sich auf den 17. Mai 1990 zurückverfolgen: An diesem Tag erwirkte die Weltgesundheitsorganisation, Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu verbannen.

Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie: Straffrei erst seit 1994

Am Montag, 17. Mai 2021, feiern wir den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Erstmals gefeiert wurde der Tag 1990, als die WHO Homosexualität von ihrer Liste der Krankheiten strich. Deutschland brauchte noch einmal vier Jahre länger: Erst 1994 verschwand der Paragraf 175 aus dem Strafgesetzbuch, der die gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe stellte. Transsexualität strich die WHO übrigens erst 2018 von ihrer Liste.

Dabei ist es so einfach: Es geht um Respekt und um die Würde des Menschen, die unantastbar, zu achten und zu schützen ist. Aber es geht darum, dass sich alle Menschen frei vor Angst und Ausgrenzung in ihrer Persönlichkeit entwickeln können – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder sexuellen Identität.

Liebe kann also gar kein Verbrechen sein!

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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