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Umjubelte „Kneipical“-Premiere auf dem Bremer Theaterschiff

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Von: Martin Kowalewski

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In einem „Kneipical“ mit dem Titel „Nächste Runde geht aufs Haus!“ teilen sich Karsten Oliver Wöllm (l.) und Carsten Beiß insgesamt 15 Rollen.
In einem „Kneipical“ mit dem Titel „Nächste Runde geht aufs Haus!“ teilen sich Karsten Oliver Wöllm (l.) und Carsten Beiß insgesamt 15 Rollen. © Theaterschiff Bremen

Bremen – Premiere für ein „Kneipical“: Im ausverkauften Kleinen Saal des Bremer Theaterschiffs an der Tiefer traf am Donnerstagabend die Premiere des Stücks „Nächste Runde geht aufs Haus!“ auf ein begeistertes Publikum.

Zum „Kneipical“ gehören gute Musik, die jeder mitsingen kann, zotige Sprüche und viel Alkohol, sagt Regisseur William Danne. Es ist ein Loblied auf die gute alte Eckkneipe, die droht, gentrifiziert zu werden, so der Regisseur weiter. Danne hat das Stück zusammen mit Axel Weidemann geschrieben.

Carsten Beiß schlüpft in acht, sein Kollege Karsten Oliver Wöllm in immerhin sieben Rollen. Beide springen zwischen ihren Rollen hin und her, ohne allzuviel an ihrer Kleidung zu ändern. Sie schaffen es dabei, dass sich die Bühne gewissermaßen imaginär füllt. Es herrscht dann Betrieb in der Kneipe mit Gastwirt und mehreren Gästen – obwohl faktisch nur zwei Personen auf der Bühne zu sehen sind.

Feinarbeit für die Schauspieler

Aufgrund der Vielzahl der Charaktere wird den beiden Schauspielern echte Feinarbeit abverlangt. Beide verleihen den Rollen geradezu augenblicklich Klarheit. Eine andere Stimmlage, eine andere Haltung und ein „umgeschalteter“ Habitus – und schwupp, schon steht eine andere Person auf der Bühne.

Carsten Beiß spielt den gesetzten Kneipier Günni rustikal und herzlich. Beiß wird unter anderem auch zu dem jungen Postboten Sven, der mit umgedrehter Schirmmütze daherkommt, und den „Right-said-Fred“-Hit „I’m too sexy“ singt. Verklemmt und auf die richtige Verwendung der Sprache bedacht ist Herr Vogel, Oberstudienrat, Anwohner im Haus.

Wöllm zeigt etwa Herrn von Böckmann, der seine Liebe zum gleichen Geschlecht sehr offensiv ausdrückt. Seine Begrüßungsformel: „Hallöchen, Popöchen“. Ganz anders ist dagegen Bolko, Bauarbeiter aus Polen, mit extremem Akzent. Er sagt klar und unverblümt, was Sache ist, etwa nach der Schicht: „Der Kopf tut weh, die Füße stinken, höchste Zeit, ein Pils zu trinken.“ Mit „Bolko auf dem Bagger“ (im Original „Bodo mit dem Bagger“ von Mike Krüger) wird er zur Stimmungskanone, lässt die Zuschauer mitsingen und bekommt ordentlich Applaus.

Klischees sorgen für Trennschärfe

Die teilweise etwas böse Übertreibung von Klischees sorgt auch für eine Trennschärfe zwischen den Rollen. Tine (Wöllm), laut Ankündigung eine naive Blondine, war zum Beispiel noch in der Wanne, weil sie ihre Schilddrüsentropfen in lauwarmem Wasser nehmen soll.

Eine muntere Runde also, eine gemütliche Kneipe mit Musikbox. Ein echtes Idyll, dessen Ende aber mit dem Auftritt des Vermieters Habicht besiegelt zu sein scheint. Mit krächzender Stimme und gebeugter Haltung von Wöllm in Szene gesetzt, verkündet er mit hässlichem Lachen die Kündigung. Kneipe und Bewohner müssen raus. Als zuständige Architektin kommt dann auch noch Günnis frühere Liebe Monika in die Kneipe. Und obendrein sind drei Post-Pakete falsch etikettiert. Die vertauschen Pakete bringen einiges zum Vorschein – und verändern die Lage maßgeblich. . . Die Musik sorgt immer wieder für große Momente. Es rührt, wenn Günni „Die kleine Kneipe“ singt. Dafür bekommt Beiß kraftvollen Szenenapplaus. Der Schlussapplaus ist überwältigend.

„Nächste Runde geht aufs Haus!“ läuft bis 29. Januar auf dem Theaterschiff. Eintritt: 29,50 Euro. Es gilt die 2G-Regel. Die nächsten Termine: 27. November, 3., 4., 10. und 11. Dezember um 20 Uhr sowie 5. und 12. Dezember, 15 Uhr. Karten unter dieser Adresse und im Ticketshop an der Balgebrückstraße.

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