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Bremen: Kohleblock bleibt länger am Netz

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Von: Jörg Esser

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Das fast fertige Blockheizkraftwerk am SWB-Standort in Hastedt.
Fast fertig, geht aber vorerst nicht in den Regelbetrieb: das Blockheizkraftwerk am SWB-Standort in Hastedt. © Esser

Auf dem Weg zur Klimaneutralität muss die SWB einen Zwangsstopp einlegen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bleibt der Kohleblock im Kraftwerk Hastedt am Netz.

Bremen – Die Gaspreise explodieren. Doch noch sind die Alternativen zu Erdgas als klimafreundliche Energiequellen wie synthetische Gase oder grüner Wasserstoff erst in der Entwicklung. Noch seien Umwandlungsverluste höher als der Nutzen. „Erdgas bleibt die Übergangslösung, bis wir echte ökologische Alternativen haben“, sagt Friedhelm Behrens, Sprecher des Bremer Versorgers SWB.

Auch das neue Blockheizkraftwerk (BHKW) der SWB am Standort Hastedt, wo seit 1906 Energie für Bremen erzeugt wird, ist darauf ausgelegt, mit Erdgas betrieben zu werden. Das 140-Millionen-Euro-Projekt steht kurz vor der Vollendung. Und es wird fertiggestellt. „Im Laufe des Jahres wird das Kraftwerk fertig werden“, sagt Behrens. Es soll dann auch in den Probebetrieb gehen, um zu testen, ob alles funktioniert. In den Regelbetrieb wird das Kraftwerk laut Behrens vorerst nicht gehen. „Das ist in dieser angespannten Situation nicht möglich.“

Die Antriebsaggregate des Kraftwerks sind in Finnland produziert worden und jeweils 186 Tonnen schwer. Die neun Motoren leisten jeweils bis zu 104 Megawatt elektrisch und bis zu 93 Megawatt thermisch. Pro Motor ist das umgerechnet ein Wert von etwa 16 000 PS, was rund 150 000 PS für den gesamten Block entspricht. Anders als die bisherigen Kraftwerke, hat das BHKW einen geschlossenen Kühlwasserkreislauf.

Neun Motoren aus Finnland

Das BHKW sollte den Planungen zufolge den Steinkohleblock 15 im Kraftwerk Hastedt ersetzen. Bremen schreite „ein großes Stück in Richtung Klimaneutralität voran“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bei der Grundsteinlegung im November 2020. Der Spareffekt des BHKW gegenüber dem Kohleblock wird pro Jahr auf rund 550 000 Tonnen CO2 beziffert, was einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes von rund 70 Prozent entspricht.

Doch der Ukraine-Krieg, der Lieferstopp für russisches Gas und der daraus resultierende Gasmangel fordern ihren Tribut. Der Kohleblock bleibt mindestens bis Ende 2023 am Netz. „Die Versorgungssicherheit hat höchste Priorität“, sagt Behrens. Aus dem Hastedter Kraftwerk werden gut 25 000 Haushalte vor allem in der Bremer Vahr sowie das Mercedes-Werk mit Fernwärme versorgt.

Steinkohle für das Kraftwerk in Hastedt wird ebenfalls nicht mehr aus Russland importiert. „Die kommt jetzt aus Nordenham“, sagt Behrens. „Also, in Nordenham wird die Kohle aus den großen Überseeschiffen auf Binnenschiffe umgeladen, die die Kohle dann nach Hastedt tansportieren.“ Die Kohle wird in Nordamerika, Südafrika und Australien eingekauft. „Die Preise haben ordentlich angezogen“, sagt Behrens, „sie sind aber nicht so durch die Decke gegangen wie beim Gas.“

Eine Baustelle für die neue Fernwärmeleitung,
Seit Februar baut die SWB-Tochter Wesernetz Stück für Stück eine 6,7 Kilometer lange Fernwärmeleitung vom Müllheizkraftwerk am Hochschulring zum Heizkraftwerk in der Vahr. © Koller

Kohle kommt aus Übersee

Der Bremer Energiedienstleister hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden. Laut SWB-Chef Torsten Köhne ist das „ein sportliches Ziel“. Unter anderem soll Fernwärme Bremens Klimabilanz verbessern. So investiert das Unternehmen rund 60 Millionen Euro in die 6,7 Kilometer lange Verbindungsleitung der Fernwärmenetze „Bremen-Ost“ und „Uni“ vom Müllheizkraftwerk Oken bis ins Heizkraftwerk in der Vahr.

Die SWB-Tochter Wesernetz arbeitet sich Stück für Stück durch Horn, Schwachhausen und die Vahr, denn: Fernwärme braucht Platz für Hauptleitungen mit sechs Metern Trassenbreite. Die etwa 50 Zentimeter dicken Rohre werden in einer Tiefe von zwei Metern verlegt. Insgesamt 16 große Bauabschnitte sind geplant, unterteilt in 58 Teilstücke. Ende 2023 soll die Trasse fertig sein, sagt Behrens. Und dann sollen weitere 25 000 Haushalte mit Fernwärme versorgt werden. Bislang läuft fast alles nach Plan. Nur gibt es jetzt Lieferengpässe. „Der Stahl aus der Ukraine fehlt“, sagt der SWB-Sprecher.

Fernwärmeleitung soll Ende 2023 fertigsein

Zudem bauen die SWB, ihr Oldenburger Mutterkonzern EWE und das Bremer Stahlwerk Arcelor-Mittal eine Elektrolyseanlage von zehn Megawatt Leistung zur Produktion von grünem Wasserstoff vor, um den Einsatz von Koks und Erdgas in eben dem Stahlwerk zu reduzieren. Das Projekt markiere den Einstieg in die Dekarbonisierung der Stahlproduktion in Bremen, heißt es. Die Versorger investieren zehn Millionen Euro, das Land Bremen ebenfalls. Das Projekt sei nur ein Anfang. Für eine komplette Umstellung der Stahlproduktion sind laut Behrens allerdings noch riesige Investitionskosten erforderlich.

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