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Corona-Regeln: Trotz Omikron-Welle – Bremen steigt aus Luca-App aus

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Von: Jens Kiffmeier

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Rückschlag für Rapper Smudo: Seine Luca-App wird in Bremen nicht mehr unterstützt. Trotz hoher Inzidenz bietet sie keinen Mehrwert für die Kontaktverfolgung.

Berlin – Nach einem Jahr soll Schluss sein: Nach Schleswig-Holstein steigt auch das Land Bremen aus der Luca-App aus. Trotz der sich aufbauenden Omikron-Wand wollen die Behörden den Vertrag auslaufen lassen. „Der Einsatz der Luca-App hat im vergangenen Jahr bei der Kontaktnachverfolgung keinen großen Mehrwert gezeigt“, teilte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) laut der Nachrichtenagentur dpa mit. Das System habe sich nicht bewährt.

Virus:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019
Neuentdeckte Variante aus dem südlichen Afrika:Variante Omikron (B.1.1.529)

Laut einem Bericht von „buten un binnen“ ist es dem Gesundheitsamt in Bremen nur in zehn Fällen gelungen, einen Corona-Kontakt anhand der App zu ermitteln und zu verfolgen. Für die Zusammenarbeit mit dem Betreiber hatte das Land rund 220.000 Euro investiert. Ähnlich ernüchternd fiel die Bilanz in anderen Bundesländern aus. Schleswig-Holstein zog deshalb bereits den Schlussstrich, am Freitag folgten dann Brandenburg und Bremen. In Niedersachsen ist man derweil noch unschlüssig. Der Vertrag laufe noch bis März, bis dahin werde man die Situation bewerten, teilte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) dem NDR mit.

Corona-Regeln: Bremen verzichtet auf Luca App von Rapper Smudo – Kein Mehrwert für Kontaktnachverfolgung

Ursprünglich sollte die App dem Einzelhandel, den Restaurants und Veranstaltern helfen*, die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Kontaktnachverfolgung zu erleichtern. Statt über eine umständliche Zettelwirtschaft können die Daten elektronisch mit wenigen Klicks erfasst werden. Doch immer wieder gab es Kontroversen. Neben dem wachsenden Zweifel am wahren Nutzen gab es auch immer wieder datenschutzrechtliche Bedenken an der Technologie*, die von zwei Softwarefirmen konzipiert und von dem Rapper Smudo von den Fantastischen Vier öffentlichkeitswirksam promotet worden war.

Zwei Jugendliche checken am Eingang eines Clubs mit ihren Smartphones via Luca-App ein.
Ausgecheckt: Das Land Bremen steigt aus der Unterstützung der Luca-App aus. © Philipp von Ditfurth/dpa

Doch wie geht es nun weiter? Bislang galt die Kontaktnachverfolgung als wirksames Mittel zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Doch in Bremen und Niedersachsen kommen die Gesundheitsämter zunehmend ans Limit. Durch die neue Omikron-Variante, die als äußerst ansteckend gilt, schießen die Corona-Zahlen wieder in die Höhe – und die Behörden kommen nicht mehr hinterher. Für die Hansestadt wies das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag eine Inzidenz von 1427,2 aus – das ist deutschlandweit ein Rekord.

Inzidenz in Bremen auf Rekordwert – Gesundheitsämter kommen bei Verhängung von Quarantäne nicht nach

Angesichts dieser Werte halten einige Virologen die Kontaktnachverfolgung bereits für sinnlos. „Von der Inzidenz her ist es von den Gesundheitsämtern nicht mehr zu stemmen“, sagte der Wissenschaftler Klaus Stöhr dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Hoffnung richtete er dabei auf die Tatsache, dass Omikron bei einem Großteil der Bevölkerung im Vergleich zur Delta-Variante einen milderen Verlauf verursache. Dadurch würde eine Kontaktnachverfolgungsquarantäne zunehmend „sinnlos“ werden, meinte Stöhr. Das ändert der Rekord-Inzidenz in Bremen ebenso wenig wie in Niedersachsen.

Dennoch warnen auch viele Stimmen davor, eine Omikron-Infizierung auf die leichte Schulter zu nehmen. Trotz häufig milderem Verlauf kann eine Omikron-Ansteckung zu Langzeitschäden führen, wie zuletzt internationale Studien zeigten. Darauf verwiesen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), RKI-Chef Lothar Wieler und Top-Virologe Christian Drosten am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Coronavirus: Minister Karl Lauterbach (SPD) und Virologe Christian Drosten warnen vor Omikron

Nach einhelliger Meinung bietet eine Impfung nach wie vor den besten Schutz vor einer Corona-Infizierung, die man im Frühstadium bereits an einigen deutlichen Symptomen an Haut und Nägeln* erkennen kann. Zwar schützt es im Fall von Omikron nicht vor einer Ansteckung, so doch aber vor einem schweren Verlauf. Vor diesem Hintergrund rief Lauterbach die Deutschen eindringlich zur Impfung auf.

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Zumindest in dieser Hinsicht gibt es in Bremen ein wichtiges Signal der Entspannung. Denn trotz der hohen Ansteckungsrate ist das Bundesland zumindest beim Impfen ganz weit vorne. 72,4 aller Bremerinnen und Bremer waren am Freitag vollständig geimpft. 50,3 Prozent der Bevölkerung ist zudem bereits mit einer Booster-Impfung versorgt worden. Damit hat Bremen neben Schleswig-Holstein und dem Saarland die höchste Auffrischungsquote. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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