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Bremen will wissen, wie das „Aktionsprogramm Innenstadt“ ankommt

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Von: Thomas Kuzaj

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Ob die Verkehrsteilnehmer, die abends in der Martinistraße im Stau festsitzen, Sinn und Blick für die Gestaltungselemente haben, die den Verkehrsversuch dort begleiten, steht dahin. In einer Umfrage können sie jetzt ihre Meinung zum „Aktionsprogramm Innenstadt“ loswerden.
Ob die Verkehrsteilnehmer, die abends in der Martinistraße im Stau festsitzen, Sinn und Blick für die Gestaltungselemente haben, die den Verkehrsversuch dort begleiten, steht dahin. In einer Umfrage können sie jetzt ihre Meinung zum „Aktionsprogramm Innenstadt“ loswerden. © Kuzaj

Bremen – Pop-up-Stores und Kinderbetreuung, Veranstaltungen auf der Martinistraße und ein Stahlgerüst auf dem Domshof: Mit dem „Aktionsprogramm Innenstadt“ hat Bremen 13,2 Millionen Euro bereitgestellt, um der nicht nur unter den Pandemieauswirkungen leidenden Bremer City zu helfen. Gut angelegtes Geld? Mit einer Online-Umfrage will Bremen das nun herausfinden.

Mehr als 30 Maßnahmen sind es, die seit Herbst 2020 umgesetzt wurden und werden. „Mit ihnen soll die Innenstadt belebt, die Aufenthaltsqualität erhöht, die Nutzungsvielfalt gesteigert und die Erreichbarkeit der Innenstadt optimiert werden“, so formuliert es ein Sprecher von Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne).

Was ist das Ziel der Befragung? Dazu heißt es: „Wie diese Maßnahmen wahrgenommen werden, wie effizient sie sind und wie gut sie bei den die Innenstadt besuchenden Menschen ankommen, aber auch, ob es Verbesserungswünsche gibt, soll nun ausgewertet werden.“ Die Online-Umfrage dauert bis zum 15. April 2022, sie ist unter der etwas albern wirkenden Adresse www.kommspielmitmir.de zu finden. Begleitend sollen zudem Menschen „an unterschiedlichen Orten direkt in der Innenstadt“ befragt werden – „sofern es die Corona-Lage zulässt“, wie es weiter heißt.

„Möchten Sie uns etwas mitteilen?“

Wonach wird gefragt? Ob die neu aufgestellten Sitzgelegenheiten als Gewinn für die Innenstadt empfunden werden. Wie die kostenlose City-Straßenbahnlinie „Ölf“ angekommen ist. Wie das Publikum das karnevaleske „Lichtertreiben“ des Bremer „Stelzen-Art“-Ensembles gefunden hat. Zu den Fragen stehen unterschiedliche Antwortmöglichkeiten zur Wahl. Wer den vorgefertigten Versatzstücken nicht folgen möchte und vielleicht gar eine ganz andere Meinung hat, dem steht immerhin ein zusätzliches Feld für – im Wortsinne – freie Meinungsäußerungen zur Verfügung („Möchten Sie uns noch etwas zu dem Thema mitteilen?“).

Online-Fragen zu verschiedenen Themen – hier zum Beispiel zum „Open-Space“-Stahlgerüst, das im vorigen Jahr auf dem Domshof gestanden hat.
Online-Fragen zu verschiedenen Themen – hier zum Beispiel zum „Open-Space“-Stahlgerüst, das im vorigen Jahr auf dem Domshof gestanden hat. © Screenshot

Interessant ist auch, wonach nicht gefragt wird. Gibt es mit den im Rahmen des Aktionsprogramms installierten zusätzlichen Fahrradbügeln nun genug Radparkplätze in der Stadt oder nicht? Das ist ein Thema. Wie sieht es mit der Erreichbarkeit der City per Bahn, Bus oder Auto aus? Kein Thema, weil es dazu keine Impulse durch das Aktionsprogramm gab, an dem die Umfrage sich naturgemäß orientiert. Und so gibt es eben auch keine Fragen etwa zum Scheitern des Projekts der Libeskind-Türme auf dem früheren Sparkassen-Areal (Am Brill). Obwohl das auch mal ein interessantes Umfragethema wäre. . .

Problematische Konstruktion: Agentur organisiert Bewertung ihrer eigenen Aktivitäten

Ein Thema wiederum ist das mit Mitteln des Aktionsprogramms finanzierte Kultur- und Belustigungsprogramm, das die umstrittenen Verkehrsversuche in der Martinistraße begleitet hat. Die Umfrageteilnehmer werden gebeten, die „Aktionen, Kulturveranstaltungen und verschiedenen Gestaltungselemente“ zu bewerten, die helfen sollten, „die Trennwirkung der Straße zwischen Innenstadt und Schlachte-Promenade“ zu verringern.

Für das die Verkehrsversuche begleitende Programm mit dem Titel „Erlebnisraum Martinistraße“ (Stichwort „Transformartini“) war die Agentur „Sternkultur“ zuständig, die sich auf Veranstaltungskonzeption samt Kommunikation und Marketing spezialisiert hat. Und an genau dieser Stelle bekommt die Online-Befragung eine merkwürdige Anmutung. Denn mit dieser Umfrage wurde ebenfalls „Sternkultur“ betraut. Die Agentur organisiert hier also eine Bewertung ihrer eigenen Aktivitäten. Eine schöne Vorlage für die Opposition, die hier Befangenheits-Vorwürfe erheben könnte.

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