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Prozess um zerstückelte Leiche: Wird die kleine Tochter (6) nochmal vernommen?

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Von: Ralf Sussek

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Walter B. (46, links) ist wegen Mordes an seiner Frau Ekaterina angeklagt. Er soll ihre Leiche zerstückelt und in einem Koffer entsorgt haben, so die Anklage.
Walter B. (46, links) ist wegen Mordes an seiner Frau Ekaterina angeklagt. Er soll ihre Leiche zerstückelt und in einem Koffer entsorgt haben, so die Anklage. © Sussek

Eine Frau, Ekaterina, wird getötet, ihre Leiche zerstückelt und in einem Koffer entsorgt. Der Koffer wird später in Bremerhaven angespült. Der Ehemann ist wegen Mordes angeklagt. Am Dienstag wurde der Prozess gegen ihn fortgesetzt.

Bremen – „Wir sind keine gesprächige Familie, wir reden nicht so viel.“ Die dritte Zeugin (19) an diesem Verhandlungstag im Mordprozess bringt es auf den Punkt, was ihre Mutter (43) und Großmutter (66) vor ihr auch schon beschrieben hatten.

So recht nachvollziehen können das die Beteiligten nicht. Richter und Staatsanwalt fragen nach, aber das Bild bleibt verschwommen. Ob über das Verschwinden von Ekaterina B. oder das spätere Auftauchen ihrer Leiche – über all das wollen die Zeuginnen in der Familie so gut wie nicht gesprochen haben. „Ich habe das alles nur aus der Zeitung erfahren“, sagt dann auch die 43-Jährige. Ihre Mutter ist die Tante des Angeklagten väterlicherseits.

Wollte Ekaterina den Angeklagten verlassen?

Walter B., ein Kasache, ist angeklagt, seine Frau Ekaterina (32) Anfang Februar getötet, die zerstückelte Leiche in einen großen Reisekoffer verpackt und diesen anschließend in einen Fluss geworfen zu haben. Dieser Koffer wurde am 1. März in der Nähe des „Sail-City“-Hotels in Bremerhaven angetrieben. Nach all dem, was bisher bekannt ist, hatte Walter B. (46) Gründe für die Befürchtung, Ekaterina wolle ihn verlassen, mit einem russischen Landsmann in St. Petersburg eine neue Familie gründen, ihre Tochter dorthin mitnehmen. Der Angeklagte schweigt.

Im Gegensatz zu seiner Mutter, die in ihrer Vernehmung vor Gericht die Tat auf sich genommen hatte: Sie habe ihre Schwiegertochter erwürgt und zerteilt, die Leichenteile verpackt in den Reisekoffer gelegt und in die Geeste geworfen. Allein dabei habe ihr der Sohn geholfen, von der Tat an sich und dem Zerteilen habe er nichts gewusst, sagte sie an diesem aufsehenerregenden Verhandlungstag vor rund sechs Wochen.

Ihre Version des Tatgeschehens konnte der Rechtsmediziner danach nicht so recht stützen. Zwar sei es möglich, eine Leiche in dieser Weise mit einem Messer zu zerteilen, aber nur, wenn die Totenstarre noch nicht eingetreten sei. Nach der zeitlichen Schilderung der Mutter müsste das aber der Fall gewesen – es sei denn, die niedrigen Temperaturen in der Garage hätten den Eintritt der Totenstarre verzögert.

Bremer Mordprozess um zerstückelte Leiche: Täterschaft der Mutter ist nicht vom Tisch

Eine Täterschaft der Mutter ist demnach noch nicht vom Tisch. Weitere Aufklärung könnte eine Aussage der sechsjährigen Tochter des Angeklagten bringen. Sie soll während ihrer Therapie von einem „Geheimnis“ gesprochen haben, das sie kenne, und dass ihre Mama „Müll“ sei – ein Hinweis darauf, dass das Mädchen das Verpacken von Leichenteilen beobachtet haben könnte. Nun wird nach einem Weg gesucht, eine weitere Befragung durchzuführen, ohne das Kind zu sehr zu belasten. Wahrscheinlich ist eine nochmalige Vernehmung bei der Bremerhavener Kriminalpolizei.

Mordprozess in Bremen: Zeugin spricht von „Missverständnis“

Die am Dienstag vernommene 19-jährige Zeugin war in den Fokus gerückt, weil sie der Schwester einer Familienhelferin erzählt haben soll, dass der Angeklagte in der Tatnacht eine Verwandte darum gebeten habe, sich um seine kleine Tochter zu kümmern. Dass es diesen Anruf von Walter B. gegeben habe, habe sie einer Unterhaltung ihrer Mutter mit ihrer Oma entnommen, sagt die 19-Jährige. Weil sich Mutter und Oma in Russisch unterhielten – was sie nicht spricht – und einige deutsche Wörter einflochten, spricht sie im nächsten Satz allerdings von einem „Missverständnis“.

Obwohl sie den Angeklagten in den vergangenen Jahren so gut wie nie gesehen hat, traut die Tante (66) die Tat weder ihrem angeklagten Neffen noch ihrer Schwägerin zu. „Ich kann mir das nicht vorstellen“, sagt sie und greift sich an den Kopf, „es kommt hier nicht an.“

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