1. 24hamburg
  2. Bremen

Prozess um zerstückelte Leiche: Fahrzeugreinigung „von oben bis unten“

Erstellt:

Von: Ralf Sussek

Kommentare

Der Angeklagte im Mordprozess (Mitte) beim Auftakt mit seinen Anwälten.
Der Angeklagte im Mordprozess (Mitte) beim Auftakt mit seinen Anwälten. © Sussek

Im Mordprozess um die getötete Ekaterina aus Bremerhaven ging es jetzt am Landgericht um mögliche Blutspuren im Auto und in der Garage. Die Leiche der Frau war zerteilt und in einen Koffer gepackt worden. Angeklagt ist ihr Ehemann.

Bremen – Es war ein Auftrag wie jeder andere, der Zeitpunkt allerdings lässt aufhorchen: Der wegen Mordes an seiner Ehefrau angeklagte Walter B. aus Bremerhaven hat kurz nach dem Verschwinden von Ekaterina eine Fahrzeugreinigung in Auftrag gegeben. Die Rechnung für „das volle Programm“, wie der Inhaber des Betriebes es am Donnerstag formuliert, datiert vom 15. Februar.

Mordprozess um Leichenteile im Koffer: Gründliche Fahrzeugreinigung

Rund zehn Tage zuvor soll Walter B. der Anklage zufolge Ekaterina B. getötet und ihre Leichenteile mit dem Fahrzeug abtransportiert haben. Besonderheiten wie Blutspuren wurden bei der Reinigung des Fahrzeugs nicht entdeckt. Der Zeuge (57) erinnert sich, dass Walter B. bei der Abholung noch gefragt habe, ob die Reinigung auch gut gemacht worden sei. Schon bei der Auftragsvergabe legte der Angeklagte laut Vermerk der Polizei darauf großen Wert: Man solle das gründlich machen, „von oben bis unten“.

Walter B. (46), gebürtig in Kasachstan, ist angeklagt, seine Frau Ekaterina (32) Anfang Februar getötet und die zerstückelte Leiche in einen großen Reisekoffer verpackt zu haben. Den warf er anschließend in einen Fluss. Der Koffer wurde am 1. März in der Nähe des „Sail-City“-Hotels in Bremerhaven angetrieben.

Im Sorgerecht für die Tochter sieht die Staatsanwaltschaft das Motiv für die Tat. Der Anklage zufolge wollte sich das Opfer von seinem Mann scheiden lassen, der Angeklagte verhindern, dass seine Frau das alleinige Sorgerecht für die gemeinsame Tochter bekommt und mit ihr zum neuen Lebensgefährten nach St. Petersburg zieht.

Im Laufe des Prozesses hatte die Mutter des Angeklagten gestanden, sie habe die Tat ohne Wissen ihres Sohnes begangen. Dabei schilderte sie teilweise sehr präzise Einzelheiten ihres Vorgehens, unter anderem, wie sie die Garage mit Malerabdeckfolie ausgelegt und der toten Schwiegertocher Handschuhe über die Hände gezogen habe, damit es beim Abtrennen „nicht spritzt“, wie sie es seinerzeit formulierte.

Ob die Mutter oder der Sohn Ekaterina B. zerteilte – die Untersuchungsergebnisse zeugen von einem umsichtigen, ja, geradezu sorgfältigen Vorgehen. Die Sachverständige berichtete am Donnerstag von der Suche nach Blutspuren im Haus, in der Garage, im Familienauto und in nahe dem Arbeitsplatz des Angeklagten gefundenen Müllsäcken. Die Suche konzentrierte sich schließlich auf die Böden, weil die Ermittler den Ort der Zerteilung der Leiche herausfinden wollten.

Mordprozess: Ermittler werden fündig

Fündig wurden sie vornehmlich in der Garage und im Auto. Auf einem Wandregal und dem Garagenboden fanden sich einige wenige Blutspritzer und eine Anhaftung, die einmal eine Blutlache gewesen sein dürfte, berichtete die Fachärztin für Rechtsmedizin. Auch im Laderaum des Familienkombis und an der Lehne der Rückbank entdeckten die Ermittler ein teils bogen- und teils streifenförmiges Areal von Blutresten; allein diese stimmten nach Aussage der Sachverständigen mit der DNA der getöteten Ehefrau überein. Bei einer Nachuntersuchung wurden auf weiteren Gegenständen Blutspuren entdeckt: auf einer Autofußmatte und einer in der Garage stehenden Hantelbank samt Gewichten. Hier war eine Zuordnung zu Ekaterina B.s Blut allerdings nicht möglich, hieß es.

Auch interessant

Kommentare