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Bremen legt erstmals Bericht rund um den Radverkehr vor

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Von: Thomas Kuzaj

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In der Martinistraße wurde der Radweg jetzt versuchsweise verlegt – und mit trennenden Pollern geschützt.
In der Martinistraße wurde der Radweg jetzt versuchsweise verlegt – und mit trennenden Pollern geschützt. © Kuzaj

Bremen – Bremen will den Radverkehr weiter fördern. Nicht, dass das irgendjemanden, der sich auf den Straßen der Hansestadt bewegt, überrascht. Doch nun gibt es das auch schriftlich, festgeschrieben auf 74 Seiten: Das Ressort von Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) hat den ersten „Radverkehrsbericht“ vorgelegt.

Der Bericht soll kontinuierlich fortgeschrieben werden und Bremens „Aktivitäten in der Radverkehrsförderung“ zusammenfassen, wie es heißt. Denn ein „systematisches Monitoring oder eine Evaluation der Aktivitäten“ habe bislang gefehlt. Mit dem Rückenwind des Berichts aber soll es nun systematisch weiter vorangehen in Sachen Radverkehr – so das Ziel. Es gelte, einen „analysefähigen“ Datenbestand zum Radverkehr aufzubauen.

Um einen Anfang zu machen, beginnt der Bericht mit einem Rückblick auf 25 Jahre Radverkehrsförderung an der Weser. 25 Jahre, in denen sich vieles verändert hat. „Radverkehr in Gegenrichtung von Einbahnstraßen ist in Bremen alltägliche Praxis“, beschreibt der Bericht beispielsweise eine – nach wie vor durchaus umstrittene – Entwicklung, die in Bremen sehr frühzeitig begonnen hat, nämlich bereits in den 80er Jahren. Es sind zudem nur noch etwa zehn Prozent der baulichen (und oft als schmal empfundenen) Radwege benutzungspflichtig. Radfahrer dürfen auch die Fahrbahn nehmen. Viele Autofahrer ärgern sich darüber, weil es den Verkehr unübersichtlicher macht: Radfahrer gibt es nun auf der Fahrbahn, auf dem Radweg und zusätzlich auch noch oft auf dem Fußweg.

Bremen hat den höchsten Radverkehrsanteil

34 Prozent der Bremer benutzen ihr Fahrrad täglich oder fast täglich. Unter den deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern hat Bremen den höchsten Radverkehrsanteil. Jeder vierte Weg wird hier mit dem Fahrrad zurückgelegt; Schaefer verweist natürlich mit Stolz darauf. Der Verkehrsentwicklungsplan sieht vor, den Rad-Anteil weiter zu steigern. „Allerdings stellt sich die Erhöhung des Radverkehrs als besondere Herausforderung dar. Tatsächlich ist zu erkennen, dass der Radverkehrsanteil stagniert.“

Voll: Fahrrad-Stellplatz in der Bremer City.
Voll: Fahrrad-Stellplatz in der Bremer City. © Kuzaj

Bremen hat, wie es im Rad-Bericht heißt, 118.600 Einpendler, die aus dem Umland in die Stadt kommen. 42,2 Prozent der Beschäftigten sind Einpendler. 46.300 Auspendler bewegen sich – rein statistisch betrachtet – aus der Stadt heraus. 22,1 Prozent der beschäftigten Bremer sind Auspendler.

Mehr Pendler sollen mit dem Rad zur Arbeit kommen

Bei den Wegen zum Arbeitsplatz hat sich der Rad-Anteil von 25 Prozent im Jahr 2013 auf 33 Prozent im Jahr 2018 erhöht, heißt es im Bericht. Die Planer gehen von weiteren Steigerungen aus. Als Grund dafür wird nicht eine gewisse Scheu vor öffentlichen Verkehrsmitteln in Zeiten von Corona genannt, sondern auf vergleichsweise neue Fahrzeuge verwiesen, auf Pedelecs und E-Bikes. Sie nämlich machen so manchen Weg bequemer. „Mit der Zunahme an Elektrofahrrädern ist zu erwarten, dass der Anteil der Wege über sechs Kilometer, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, zunehmen wird“, heißt es.

Ob sich das auch spürbar auf Pendlerströme auswirken wird, bleibt abzuwarten. Mit elektrischer Unterstützung sind Arbeitswege aus Achim oder Stuhr nach Bremen vielleicht bequemer zu bewältigen. Bei Regen hilft einem das nicht weiter. Gleichwohl: Achim – Bremen und Stuhr – Bremen zählen im regionalen Mobilitätskonzept des Kommunalverbunds zu den Routen, die als „interkommunale Radschnellverbindungen“ empfohlen werden.

Fußgänger-Kritik an rücksichtslosen Radfahrern

Ein weiteres Thema des Berichts: Sicherheit. 2019 sind in Bremen 1 191 Radfahrer verunglückt. 2020 gab es dann insgesamt weniger, dafür aber anteilig mehr schwere Unfälle. „Zudem steigt die Anzahl der Verkehrsunfälle mit der Beteiligung von Pedelecs“, wie es heißt. Besonders häufig führen Abbiegesituationen zu Unfällen zwischen Auto- und Radfahrern. Einiges wird unternommen, um die Zahl von Unfällen mit Fahrradbeteiligung zu senken. Auch Polizeikontrollen gehören dazu – nicht zuletzt mit Blick auf Rotlicht-Verstöße. Im Bericht wird in diesem Zusammenhang die Wilhelm-Kaisen-Brücke als Ort regelmäßiger Schwerpunktkontrollen erwähnt. Hier leben Fußgänger zuweilen gefährlich, wenn sie „Grün“ haben: Autos halten an, viele Radfahrer aber nicht. „Fehlende Rücksichtnahme ist ein gesellschaftliches Phänomen, das zunehmend aus Sicht des Fußverkehrs gegenüber Radfahrern angeprangert wird“, heißt es im „Radverkehrsbericht“.

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