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Geldwäsche-Verdacht: Alle 32 Sportwettstellen in Bremen bleiben dicht

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Von: Elisabeth Gnuschke

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Alle 32 Sportwettstellen der vier Veranstalter Tipico, Happybet, Tipwin und Xtip in Bremen bleiben zunächst geschlossen.
Alle 32 Sportwettstellen der vier Veranstalter Tipico, Happybet, Tipwin und Xtip in Bremen bleiben zunächst geschlossen. © Kuzaj

Alle 32 Sportwettbüros in Bremen bleiben vorerst geschlossen. Das hat am Freitag Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) betont. Im Raum steht der Verdacht der Geldwäsche.

Bremen – Was tut sich hinter den Türen von Sportwettbüros? Und vor allem: Mit welchem Geld werden sie überhaupt auf die Beine gestellt? Wohl wissend, dass es juristischen Gegenwind geben wird, hat Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) vor gut einer Woche ein rigoroses Vorgehen gegen Sportwettveranstalter angekündigt. Hintergrund ist der Verdacht der Geldwäsche. Am Freitag war klar: Alle 32 Sportwettbüros in Bremen bleiben vorerst dicht.

Nach den vom Ordnungsamt in der vergangenen Woche zugestellten Versagungsbescheiden seien derzeit alle 32 Sportwettstellen der vier Veranstalter in Bremen illegal, betonte Mäurer am Freitag. Acht weitere beantragte neue Sportwettstellen dürfen zudem nicht öffnen. Ob sich die Betreiber daran hielten, werde mit Polizeiunterstützung in den nächsten Tagen kontrolliert, kündigte der Innensenator an. Mäurer: „Sollten weiter heimlich Sportwetten stattfinden, würde dies eine Straftat wegen illegalen Glücksspiels darstellen.“ Und dann? Das Ordnungsamt würde die Büros schließen, die Polizei ein Ermittlungsverfahren einleiten. „Vor dem Hintergrund einer umfangreichen Risikoanalyse des Bundesfinanzministeriums zu Branchen, die besonders anfällig für Geldwäsche sind, war unser zentrales Anliegen, die rechtmäßige Herkunft der für die Vermittlung von Sportwetten erforderlichen Mittel zu überprüfen“, unterstrich Mäurer. Bremen ist damit bundesweit Vorreiter. Grundlage für das Vorgehen ist die Änderung im Bremischen Glücksspielgesetz aus dem Juli 2021. Danach müssen die Betreiber nun offenlegen, woher sie ihr Startkapital fürs Sportwettbüro haben. Bisher klaffte da „eine eklatante Lücke“, so der Senator.

Sportwetten: Bremer Innensenator weist Vorwurf der Rufschädigung zurück

Den in den vergangenen Tagen von Sportwettverbänden und Betreibern geäußerten Vorwurf der Rufschädigung wies Mäurer entschieden zurück: „Wenn eine Branche nachweislich für das Waschen schmutziger Gelder aus Drogen- und Menschenhandel missbraucht wird, dann ist es nicht nur legitim, sondern zwingend notwendig, vorzubeugen und genau hinzuschauen.“ Niemand unterstelle damit, dass in einzelnen oder gar allen Sportwettstellen im Land Bremen auch tatsächlich Geld gewaschen werde. Dafür gebe es derzeit keine Hinweise, sagte Mäurer. Sollte es allerdings Hinweise auf Geldwäsche geben, stehe die sofort Polizei bereit. Dafür werde in der Innenbehörde ein Koordinierungsstab eingerichtet.

Ein Veranstalter hat laut Mäurer dem Ordnungsamt mittlerweile für drei seiner Sportwettbüros weitergehende Nachweise vorgelegt, die würden geprüft. Eine erste Bewertung falle positiv für den Veranstalter aus. Ähnlich verhalte es sich bei einer Sportwettstelle am Hauptbahnhof, Unterlagen seien nachgereicht worden. Zudem seien am Freitag weitere Papiere für 15 Wettstellen eingegangen, die Vorprüfung stehe noch aus. Ein neues Genehmigungsverfahren folge, solange blieben die Büros geschlossen, stellte Mäurer klar. Er stellte eine zügige Entscheidung in Aussicht.

Mäurer: Verbotswidrige Pferdewetten

Der Senator ging auch auf den Fall eines Betreibers ein, dessen Antrag schon zuvor aufgrund mangelnder Zuverlässigkeit abgelehnt worden war: „Der Betreiber hatte eine langjährige kriminelle Karriere, die in der Gesamtschau keine positive Prognose versprach.“ In einem weiteren Fall musste ein Betreiber seine Sportwetten bereits vor längerer Zeit einstellen, da er diese verbotswidrig gemeinsam mit Pferdewetten angeboten habe, „ein klarer Verstoß gegen das Bremische Glücksspielgesetz“. Auch nach Versagung der Erlaubnis habe er illegal weitergemacht, das habe eine Kontrolle gezeigt.

Der Deutsche Sportwettenverband hatte auf die Initiative aus Bremen mit Unverständnis und Empörung sowie der Ankündigung reagiert, gerichtlich dagegen vorgehen zu wollen. Fünf Klagen seien inzwischen eingereicht worden, hieß es aus dem Innenressort.

Bremen: Vier Veranstalter mit 32 Sportwettbüros

Nach dem Glücksspielstaatsvertrag haben 34 Veranstalter bundesweit die Erlaubnis zur Veranstaltung von Sportwetten im Internet oder stationär vor Ort erhalten. In Bremen sind davon aktuell laut Innenressort vier Veranstalter aktiv: Tipico, Happybet, Tipwin sowie Xtip. Diese vier Veranstalter hatten für die Stadt Bremen die Erlaubnis für den Betrieb von insgesamt 32 Sportwettbüros beantragt. 24 dieser Büros waren bislang rechtlich nur geduldet, müssen nach dem Glücksspielstaatsvertrag nun von der Behörde genehmigt werden, hieß es. Acht weitere Sportwettbüros wollen die Veranstalter neu eröffnen. Die Eröffnung eines Wettbüros kostet die Betreiber als Franchisenehmer nach Einschätzung der Innenbehörde etwa 120 000 Euro.

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