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Ärztetag in Bremen: Lauterbach spricht über Affenpocken - Empfehlung 21 Tage Quarantäne

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Von: Andree Wächter

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250 Ärzte und Experten treffen sich vier Tage lang in Bremen. Gastredner am Eröffnungstag ist Gesundheitsminister Karl Lauterbach.

Update 24. Mai, 13.15 Uhr: Die Affenpocken haben Deutschland erreicht. Laut dem RKI sind fünf Männer in Deutschland infiziert. Auf dem Ärztetag in Bremen sprachen RKI-Chef Wieler und Karl Lauterbach über Quarantäne und Isolation. Ihre Empfehlung: mindestens 21 Tage. Bedingung ist aber, dass man nach den drei Wochen symptomfrei ist. Enge Kontaktpersonen sollen sich laut Lauterbach ebenfalls für mindestens 21 Tage in Quarantäne begeben. Angeblich sind homosexuelle Männer besonders betroffen.

Aussagen zur Pockenimpfung, die ursprünglich als guter Schutz gegen Affenpocken galt, ließ der SPD-Politiker nicht unerwähnt und war hat bereits die Bestellung eines in den USA zugelassenen Impfstoffs für die Affenpocken-Impfung in Auftrag gegeben.

Ärztetag in Bremen: RKI-Chef Wieler und Karl Lauterbach über Quarantäne und Isolation bei Affenpocken

Die 21 Tage sind eine Empfehlung und sollen mit den Bundesländern abgestimmt werden.

Menschen, die schon gegen Pocken geimpft wurden, sollten laut Karl Lauterbach gut geschützt sein. Die Einschränkung: Normaler Pockenimpfstoff sei aber nicht geeignet, um die Affenpocken zu bekämpfen.

Affenpocken in Deutschland: Weitere Fälle der Monkeypox zu erwarten – RKI-Chef Wieler will Ausbruch eindämmen

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht von einer Zunahme von Affenpocken-Erkrankungen in Deutschland aus. Es sei klar, dass weitere Fälle hierzulande zu erwarten seien, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. „Unser Ziel ist es deshalb, den Ausbruch einzudämmen.“ Dies könne über erfolgreiche Kontaktnachverfolgung, Vermeiden von engen Kontakten zu Infizierten und Hygienemaßnahmen gelingen. Risikogruppen müssten achtsam sein.

Durch gute Kontaktnachverfolgung und Vorsicht könne dies in den Griff bekommen werden, sagte der SPD-Politiker Lauterbach am Dienstag, 24. Mai 2022, am Rande des Deutschen Ärztetags in Bremen. Er betonte zugleich, was man aktuell mit den Affenpocken erlebe, sei „nicht der Beginn einer neuen Pandemie“. Es handele sich um einen bekannten Erreger, und man wisse, wie man ihn bekämpfen könne. Tatsächlich ist vieles die Affenpocken-Symptome, die Inkubationszeit, die Ansteckung und die Übertragung bekannt. Zudem gibt es klare Erkenntnisse, wie gefährlich und tödlich der Erreger der Affenpocken wirklich für den Menschen ist.

Lauterbach: Affenpocken und Corona Thema beim Ärztetag

Erstmeldung vom 24. Mai, 10:00 Uhr: Bremen – Das Corona-Virus ist noch immer da. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (wie in Krankenhäusern und Heimen) sind fast alle Schutzmaßnahmen gefallen. Doch schon ist die nächste Gefahr da: die Affenpocken. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) muss Lösungen präsentieren. Diese und weiteren Themen wie der Ärztemangel und die Coronafolgen für Kinder stehen auf der Agenda des 126. Deutschen Ärztetags. Noch bis Freitag treffen sich Ärzte und weitere Experten in Bremen. Prominenter Gastredner am Eröffnungstag (Dienstag): Karl Lauterbach.

Sitz BundesärztekammerBerlin
PräsidentDr. Klaus Reinhard
Gründung1947
Mitglieder17 Landesärztekammern

Auf der Jahreshauptversammlung der Berufsvertretung der Ärzte kommen rund 250 Abgeordnete aus den 17 deutschen Ärztekammern zusammen. Es soll eine lange Liste an Forderungen an Gesundheitsminister Lauterbach übergeben werden. Darauf stehen eine bessere Vernetzung der Gesundheitsämter, ein Überarbeiten der aktuellen Krankenhausplanung und -finanzierung und auch die Digitalisierung der Praxen.

Ein weiteres Thema ist die Ärzteausbildung. „Wir brauchen mindestens 15 Prozent mehr Studienplätze in der Humanmedizin, um die Versorgung stabil zu halten“, forderte Ärztepräsident Klaus Reinhardt. Als Grund nannte er die „enorme Ruhestandswelle“ insbesondere bei niedergelassenen Ärzten, die in den kommenden Jahren kommen wird. Hintergrund sind die „Baby-Boomer-Jahre“, also die Jahrgänge von 1955 bis 1965. Entsprechend fordert auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund mehr Studienplätze.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist der Gastredner beim Ärztetag in Bremen.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist der Gastredner beim Ärztetag in Bremen. © Kay Nietfeld/dpa

Bei den viertägigen Beratungen soll der ärztliche Versorgungsbedarf in einer „Gesellschaft des langen Lebens“ sein – also mit Blick darauf, dass es mehr Ältere mit tendenziell mehr Erkrankungen geben dürfte.

Reinhardt sagte, verbessert werden müssten auch die Rahmenbedingungen ärztlicher Arbeit. Die Ampel-Koalition müsse Kommerzialisierung und unnötiger Bürokratie im Gesundheitswesen endlich den Kampf ansagen. „Sie hat die Ärzteschaft dabei an ihrer Seite.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte fehlende Transparenz in der Debatte über den Fachkräftemangel. Der Bedarf an medizinischem Personal dürfe nicht an der Zahl der Beschäftigten gemessen werden, sagte Vorstand Eugen Brysch. Vielmehr seien benötigte Vollzeitstellen entscheidend. „Doch genau hier fehlen valide Daten. Wer also mehr Beschäftigte fordert, muss genau diese Fakten liefern.“

Lauterbach mit Schlingerkurs in der Corona-Politik

Klaus Reinhardt äußerte sich vor dem Ärztetag kritisch zur Corona-Politik der Ampel-Koalition. „Innerhalb der Koalition gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen zum Umgang mit Corona, das führt zu einem Schlingerkurs und zu Verwirrung“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ/Dienstagsausgabe). Zu Lauterbach sagte er, dessen Kommunikationsverhalten sei „mitunter doch recht merkwürdig“. Dabei verwies Reinhardt auf den Rückzieher des Ministers bei einer zunächst angekündigten Umstellung der Isolationspflicht für Corona-Infizierte auf Freiwilligkeit.

Zurückhaltend blickt Reinhardt auf die Regierungspläne zur Beschaffung von zusätzlichem Corona-Impfstoff für den Herbst – er argumentiert dabei auch mit der Unklarheit hinsichtlich möglicher neuer Virusvarianten. „Das ist nur sinnvoll, wenn diese Impfstoffe schon an die neue Virusvariante angepasst sind, also wirksamer sind als die bisherigen“, sagte der Ärztepräsident der FAZ. „Aber noch wissen wir nicht genau, was auf uns zukommt.“

Außerdem müsse erst einmal klar sein, dass weitere Impfungen einen tatsächlichen Vorteil bringen. „Zu den Viertimpfungen gibt es bisher widersprüchliche Studienergebnisse aus Großbritannien und Israel.“ Eine Strategie der Bundesregierung sieht nach Angaben Lauterbachs 830 Millionen Euro vor, um ein vom Hersteller Moderna angekündigtes Präparat zu beschaffen, das bei verschiedenen Varianten zugleich wirke.

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